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#depression#verzeihen#whatslove

Heute

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Heute | story.one

“Es tut mir leid, ich weiß nicht was mit mir los war. Alleine der Gedanke, dass irgendjemand dich mir wegnimmt, lässt mich durchdrehen”, schniefst du voller Reue. Du kniest vor mir auf dem Boden. Deine Arme umschlingen meinen Oberkörper. Den Kopf drückst du gegen meinen Bauch. Damit ich deine Tränen nicht sehen kann. Aber ich spüre sie. Mein Shirt ist nass an der Stelle, an der dein Gesicht aufliegt. Du schluchzt. Du schämst dich. Du tust mir leid. “Schschsch”, flüstere ich beruhigend und streiche durch dein Haar. “Hätten die dich bloß nicht alle angegraben”, setzt du nach. Ich spüre wie sich deine Schultern verspannen. Weiß, dass sich in diesem Moment dein Kiefer anspannt. So wie gestern.

Gestern war eine Feier mit deinen Arbeitskollegen. Ich hatte absolut keine Lust und bereits im Vorhinein ein ungutes Bauchgefühl. Aber du wolltest, dass ich mitgehe. “Da sind sicher keine Frauen dabei”, sagte ich. “Du wirst deinem Partner wohl unabhängig davon diesen Gefallen tun können, wenn er dich darum bittet”, sagtest du. Zwischen deinen Augenbrauen eine Zornesfalte. Ich überlegte. Wollte ich jetzt streiten? Wollte ich später streiten? Vielleicht stritten wir auch gar nicht, wenn ich einfach zu dieser blöden Feier mitging.

Zwei Stunden später bist du ziemlich angetrunken. Unglücklicherweise bin ich die einzige anwesende Frau und auch deinen Arbeitskollegen sehr sympathisch. Unglücklicherweise ist dir das nicht so recht, wie du es dir zuerst vorgestellt hast. Sie beziehen mich in die Gespräche mit ein, bestellen Schnäpse und erzählen Witze. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich. Zumindest auf den ersten Blick.

Ich allerdings antworte bereits seit einer halben Stunde nur noch einsilbig auf Fragen, trinke keinen Schnaps mehr und vermeide jeglichen Augenkontakt mit deinen Arbeitskollegen. Vor einer halben Stunde verändert sich dein Blick. Deine Lippen verziehen sich zu einem süffisanten grinsen, setzen automatisiert meine Gedankenspirale in Gang. Wie verhalte ich mich richtig? Wie kann ich dich beruhigen? Ich ziehe mich zurück und versuche keine Angriffsfläche zu bieten. Leider zu spät.

Eine Stunde später, der Großteil deiner Kollegen ist zum Glück schon gegangen, lallst du: “Warum bist du eigentlich so unhöflich und abweisend zu meinen Kollegen, du Schlampe? Vorher hast du dich doch auch billig angebiedert. Oder meinst du, dass mir das nicht aufgefallen ist?” In dem Restaurant herrscht augenblicklich Stille. Der Rest deiner Arbeitskollegen sieht uns an, versucht zu schlichten. Doch deine hasserfüllte Schimpftirade hat gerade erst begonnen. Der Vergleich mit einer Dame aus dem horizontalen Gewerbe ist noch eine deiner höflicheren Bezeichnungen. Ich schäme mich. Auch, wenn mir das Verhalten nicht unbekannt ist.

Doch heute ist ein anderer Tag.

Heute bereust du es, bist ein Häufchen Elend.

Heute schämst DU dich.

Heute tut es dir leid.

Heute liebst du mich.

Foto: www.unsplash.com / Jeremy Thomas

© Whoknew 2021-06-07

Von Tränen, Schmerz und VerzweiflungSpiegelkinderVergeben Verzeihen Versöhnen Vergessen Toxische Beziehungen. Narzissmus.Zeige den Kämpfer in dir

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