skip to main content

#möglichkeiten#türen#entscheidungen

Ein Haus voller Möglichkeiten

  • 32
Ein Haus voller Möglichkeiten | story.one

Ich schlage die Augen auf, blicke in mein Zimmer ... schön, gemütlich, offen, groß. Es fehlt der Balkon und das Fenster gibt nur den Blick auf ein Stückchen Wald frei. Macht nichts, ich fühle mich wohl, habe es mir schön eingerichtet und es ist alles da, was ich brauche.

Ich mache mir Kaffee in meiner Kochnische und genieße ein Butterbrot an meinem Holztisch ... wie gut das riecht, diese Verbindung zwischen Kaffee und Holz. Der Fernseher läuft und ich sehe eine Doku über die Alpen, deren Flora und Fauna. Mir geht das Herz auf ... wobei: Ich wäre schon gerne selbst mal dort, würde gerne etwas anderes riechen als täglich Holz und Kaffee. Doch der Weg dorthin ist aufwendig, ich habe hier ja alles, was ich so brauche und wenn ich nicht darauf vergesse, hole ich mir morgen einen neuen Raumduft.

Ja, ich sollte langsam los, die Schuhe gebunden und raus aus der Türe. Apropos Türe, warum verwende ich eigentlich immer nur diese (und jene zu Klo und Bad)? Da gibt es ja noch eine Andere hinter meinem Bett. Was ist dort? Würde mich schon interessieren. Ich glaube, ich werde heute nach der Arbeit einmal nicht Netflix gucken, sondern meiner Neugier nachgeben.

* Tag *

Tatsächlich, ich ziehe das jetzt durch! Das Bett ist weggeschoben und ich öffne die Türe. Es knarrt ein bisschen, doch dann bleibt mir die Sprache weg.

* Kurzes Erstaunen, Sprachlosigkeit inklusive *

In mein Blickfeld gerät ein weiteres Zimmer, groß, hell und ja ... mit einem kleinen Balkon. Was kann ich dort sehen? Es ist ein See und dahinter die Berge, ganz großartig. Warum habe ich diese Tür nicht schon früher geöffnet? Ja, ich weiß, es war nie die Zeit dafür. Doch jetzt nehme ich sie mir und blicke mich um. Alles ist etwas verstaubt, aber ich entdecke einen Tisch, einige Sessel und eine gemütliche Couch. Noch etwas fällt mir ins Auge. Es sind zwei weitere Türen. Doch es ist gut für heute, morgen ist auch noch ein Tag.

* Nacht *

Was soll ich sagen? Wofür habe ich eigentlich bisher meine Betriebskosten bezahlt?

Ich habe mich heute krankgemeldet und erforsche mein Heim. Ich wusste gar nicht, wie viele Zimmer mein Haus hat. Es war bisher nie von Interesse für mich. Alle Türen standen mir offen, einfach so. Da gibt es ein Lesezimmer mit riesiger Bibliothek, ein Badezimmer mit Whirlpool und einen Stiegenaufgang, der zu einer komfortablen Dachterrasse führt. Der Rundum-Blick auf dem Dach ist atemberaubend, in der Ferne die Stadt, in die ich jeden Tag fahre und ansonsten viel Grün rund um das Haus. Ich sehe das ja sonst kaum, da ich immer erst heimkomme, wenn es bereits dunkel ist und am Morgen habe ich den Tunnelblick. Die Arbeit fordert halt ihren Tribut. Was soll man machen!

Doch dieser Ausblick lässt mich nicht mehr los, wie auch nicht der Gedanke an die Möglichkeit, ein Bad zu nehmen und mich in das Lesezimmer zurückzuziehen, wenn und wann immer ich will. Es wird sich wohl einiges ändern in Zukunft. Ich freue mich darauf.

Die Moral von der Geschicht': dieses Haus ist wie das Leben!

Bild von Francine Sreca auf Pixabay

© Wolfgang Lugmayr 2021-08-30

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.