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Zwei Mal Osttimor (2003)

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Zwei Mal Osttimor (2003) | story.one

Von Cairns/Australien kommend ist unser Plan, von Bali nach Westtimor zu fliegen, von dort die Grenze nach Osttimor zu überqueren, schließlich nach Westtimor zurückzukommen und von dort im Inselhopping die Sundainseln in Richtung Westen zu bereisen und letztendlich die Reise in Bali zu beenden. Wir wollen den Direktflug nach Dili/Osttimor vermeiden, weil es sich um einen teuren internationalen Flug handelt. Der Beamte von der „Emigrasi“ versichert mir, dass ich für die Wiedereinreise von Osttimor auf dem Landweg kein Visum benötigen.

Am nächsten Morgen fliegen wir nach Westtimor und nehmen einige Tage später den Minibus nach Dili, Hauptstadt von Osttimor, welches seit vergangenem Jahr nach einem grausamen Bürgerkrieg seine Unabhängigkeit von Indonesien erlangt hat. Schließlich kommen wir in die staubige Grenzstadt Atambura. In einem Reisebüro wird eine Passliste von den Reisenden erstellt und es geht weiter zum indonesischen Grenzposten. Die Ausreise geht schnell und unbürokratisch vor sich. Von den übellaunigen Zöllnern von Osttimor wird das gesamte Gepäck durchsucht. Der Grenzpolizist begrüßt uns freundlich, reicht uns die Hand, stempelt den Einreisestempel in den Pass. Australische UN-Soldaten halten unsere Personalien fest, fotografieren uns. Wir steigen in einen anderen Minibus ein, das indonesische Fahrzeug darf die Grenze nicht überqueren.

Nun rollen wir talwärts und fahren entlang einer malerischen Küstenstraße in Dili ein. Der freundliche Fahrer liefert jeden Fahrgast an seinem Bestimmungort ab. Wir bekommen das letzte freie Zimmer in einem Hotel, wo hauptsächlich NGO’s und UN-Mitarbeiter untergebracht sind. Die Stadt macht einen ärmlichen Eindruck. Während des Unabhängigkeitskrieges sind fast 200 000 Einwohner Osttimors ums Leben gekommen. Die Bevölkerung von gut 700 000 Menschen hängt voll am Tropf der UNO, die hier einen wahnsinnigen Wasserkopf aufgebaut hat. Wir erleben eine ungemein spannende Zeit im Lande, bis wir zur Rückreise nach Westtimor aufbrechen.

Die Osttimor-Zöllner lassen wieder ihren Frust an unserem Gepäck aus. Der Grenzbeamte, derselbe wie bei der Herreise, verabschiedet uns höflich – nicht für lange, wie sich bald herausstellen wird. Die Auskunft der Einreisebehörde in Denpasar war nämlich falsch. Wir brauchen doch ein Visum und werden zurück geschickt. Die miesen Zöllner stürzen sich tatsächlich wieder auf unser Gepäck, obwohl sie es vor einer knappen Stunde bereits durchsucht haben. Der Grenzbeamte dagegen nimmt uns freundlich auf und erlässt uns sogar die Einreisegebühr. Wir müssen zurück nach Dili und nehmen am übernächsten Tag den internationalen Flug nach Bali, den wir aus Kostengründen eigentlich vermeiden wollten und von dort einen Inlandflug auf die Insel Flores, um von dort die Inselreise von Ost nach West wie ursprünglich geplant fortzusetzen.

© Wolfgang Stoephasius 2021-04-07

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