skip to main content

#voodoo#magie#zauber

Der Fluch von Haiti

  • 38
Der Fluch von Haiti | story.one

Ich war damals noch recht naiv. Meine Eltern nahmen mich damals in die DomRep mit. Das war grandios. Meine erste Reise in die Karibik. Wunderschöne Traumstände. Jeden Tag azurblau glitzerndes Meer. Endlose Sandstrände und Palmen. Dazu die tropische Hitze, die ich in vollen Zügen genoss, denn zu Hause war es Winter. Doch den ganzen Tag nur in der Sonne liegen ist nicht mein Ding.

Ich buchte mit meinem Freund einen Abenteuertrip nach Haiti. Um nur 95 USD war alles dabei: Transfer, Essen, Guide und Voodoo-Show. Die faszinierte mich eigentlich am meisten, doch worauf ich mich da eingelassen hatte, erfuhr ich erst später.

Punkt 7 Uhr wurden wir beide abgeholt. Der Busfahrer empfahl uns, das All-Inclusive-Bändchen abzunehmen. Ich verstand es nicht ganz, denn so blond wie wir beide waren, würden wir doch auffallen wie ein Elch im Shoppingcenter. Egal. Wir rissen das rote Bändchen ab und waren jetzt normalsterbliche.

Der Grenzübertritt war ein Erlebnis. Unser Bus setzte uns am Grenzbalken ab und wir marschierten hinüber Richtung Wüste. Auf der einen Seite üppige Vegetation. Grün und lebendig. Auf der anderen Seite Haiti. Rotbrauner Lehm und Morast. Es sah aus wie am Mars, wären da nicht vereinzelt Baumleichen herumgelegen.

Als Einheimische eine riesige Palette voller Eiswürfel alleine mit Muskelkraft auf Rollrädern über die Grenze zogen, verstand ich erst, wie arm dieses Land ist. ‘Es gibt kaum Kühlschränke’ erklärte uns der Reiseführer. Sie bekommen jeden Tag frisches Eis aus der DomRep.

Mit dem klapprigen Bus ging es vorbei an Papphütten und Wellblechruinen. Die Menschen wohnten völlig verstreut. Überall rannten Kinder herum. Immerhin hatten sie Freude am Bus, strahlten und winkten uns zu. Lebensfreude gibt es eben doch überall. Nach zwei Schulbesuchen hatten wir alle mitgebrachten Kugelschreiber verschenkt. Die Kinder grinsten frech, die Lehrer freuten sich. Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber noch immer besser, als gar nichts zu tun.

Jetzt kam endlich der Höhepunkt der Reise. Es wurde schon dunkel, als die Voodoo-Show begann. Ein mit Knochen geschmückter Medizinmann hielt sich eine gefühlte Ewigkeit lang eine brennende Fackel an den Körper. Trick oder Schmerzverweigerung? Danach zertrümmerte ein Kannibale die Bierflasche eines Gastes und schluckte die Scherben herunter. Als er sie wieder hochwürgte und damit Papier zerschnitt, war ich mir nicht mehr sicher, was das war. Ich wunderte mich auch nicht, als sich eine Voodoo-Hexe von einer Schlange beißen ließ. Man sah deutlich die zwei Bisslöcher in der Haut, aber nichts blutete. Zum Abschied bekam ich als einzige ein Geschenk: Der Zeremonienmeister gab mir eine billige Voodoopuppe, aus der er eine steckende Nadel zog. Er murmelte dabei etwas wie buenaventura, also Glück?

Erst als wir die Grenze überquerten, fühlte ich mich besser. Das war alles zu viel.

Die Puppe liegt übrigens noch heute in einem Kasten. Irgendwie wagte ich nie, sie wegzuwerfen.

© Xenija M 2021-04-07

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.