Zuerst ist da die Eins: Das Kind ist geboren, die Nabelschnur wird durchtrennt, der erste Schrei: Ich bin da! Ich! Ein Mensch. Ein erstes Kind seiner Eltern. Oder ein zehntes Kind. Oder ein Zwillings- oder Mehrlingskind. Ein Mensch, der das erste Mal selbst atmet. Hungrig ist. Durstig. Der verdaut und ausscheidet. Müde ist. Dem kalt ist. Der Schmerzen hat. Der wohlig entspannt ist. Selig schlummert, im Alphazustand. Dessen Bedürfnisse ausreichend erfüllt werden. Nach besten Möglichkeiten. Und manchmal auch nicht. Nicht sofort. So ist das Leben.
Sofort ist die Zwei da: Die Mutter. Oder eine andere sorgende Person. Die das Kind an die Brust legt order in die Armbeuge. Es mit Nahrung versorgt; es still, sofern ihr dies möglich ist. Es mit Wärme versorgt. Die oft sehr müde ist. Manchmal nicht sofort alle Bedürfnisse des Kindes erfüllen kann. Die diverse Lasten mit sich trägt, in Form von Gelebtem oder Erfühltem: Wie ist es ihr selbst ergangen, in dieser Lebensphase, mit ihrer Mutter oder sorgenden Person? Wie deren Mutter oder sorgenden Person? Und so weiter… Die Art und Weise der Zwei weist Richtungen; gibt ein Grundthema vor. Die Zwei schafft Vertrauen. Die Zwei sät Misstrauen. Mama, VersorgerIn, wo bist du? Das Kind schreit, und die Mutter oder VersorgerIn hört es nicht. Denn sie oder er ist weggegangen. Eine Ersatz-Zwei wird dringend benötigt. Für einige Zeit. Denn für das Kind gibt es nur diese eine Zwei.
Und es gibt, im Idealfall, eine Drei: Der Vater oder eine andere in Partnerschaft mit der Zwei lebende Person. Zu dritt bilden die drei eine Familie. Vielfach fehlt, in dieser Phase, die Drei: Weil der Vater oder der Partner/ die Partnerin der Zwei nicht anwesend ist. Weil der Vater oder die andere dritte Person überfordert ist, mit der neuen Situation: Mit diesem kindlichen Eindringling, der die Beziehung zu „seiner” Zwei stört. Die Drei sei eine schwierige Konstellation. Das Dreieck bietet viel Konfliktstoff, heißt es in der Familientherapie. Die Drei ist auf alle Fälle sehr herausfordernd, sage ich. Und: Die Drei ist das Sprungbrett, in ein gemeinschaftliches Leben. Ist die große Chance, die jeglicher Gruppe innewohnt. Die Drei bereichert. Die Drei will spielerisch gelebt werden. Alle sind gleichberechtigt. Niemand behält, sozusagen den Ball. Der eine wirft. Die andere fängt. Und wirft. Der/die Dritte fängt und wirft und so weiter und so fort…
© Roswitha Springschitz 2026-03-16