„Denkst du nicht, dass es für ein gutes Ziel wert ist zu kämpfen. Selbst wenn die Chancen nicht zu deinen Gunsten stehen? Aber wenn das deine Denkweise ist, haben wir uns wohl in dir geirrt.“ Philips Worte treffen mich. „Ok, ich bin dabei, aber nur unter meinen Bedingungen“ ich unterstreiche meine Worte, indem ich ihm genau in die Augen schaue. Deshalb bekomme auch mit, wie ein Funke in ihnen aufleuchtet. „Und die wären?“, zum Glück führe ich solche Gespräche fast täglich mit den Kids. „Erstens, muss sichergestellt werden, dass meine Mutter gut versorgt ist. Zweitens“, ich mache eine effektvolle Pause, um die beiden etwas zu ärgern, „will ich euch helfen, als gleichberechtigte Partner.“
Es hat funktioniert! Der Blick der beiden sieht aus wie einstudiert, ich kann das Lachen nicht länger unterdrücken. „Natürlich, alles unter der Voraussetzung, dass es auch funktioniert. Also, wie sieht der Plan aus? Denn wir brauchen einen, einen guten.“ Wie Rehe im Scheinwerferlicht starren die beiden mich an. Nach einer ganzen Ewigkeit fährt das Leben wieder in sie. „Du hast richtig erkannt, dass höhere Instanzen gegen uns entscheiden und einiges dafür tun würden, um es zu verhindern. Deshalb müssen wir es öffentlich machen.“ Bei Kyle klingt es, als hätten sie sich schon viele Gedanken darüber gemacht, aber Richard ist doch erst zwei Tage tot. „Das ist schon mal ein Anfang, aber gut steht es noch nicht um die Aktion.“
Philip nickt, „Wir hatten schon so eine Idee. Allerdings ist es etwas geschwindelt und wir müssten uns einig sein, ob es den Preis wert ist.“ Skepsis macht sich in mir breit, was haben sie vor? Sie scheinen zu begreifen, dass sie dabei sind, meine Unterstützung zu verlieren. „Oh, ich glaube, das klang gerade schlimmer als es wirklich ist. Die Idee ist, dich möglichst beliebt bei den Menschen zu machen. Dabei würden wir eventuell an der ein oder anderen Stelle etwas übertreiben. Da du aber wirklich ein intelligenter und sympathischer Mensch bist, ist es noch nicht mal gelogen.“ Kyles Erklärung klingt schlüssig und ergibt Sinn. Die einfachen Menschen in diesem Land sind nicht das Problem, sondern dass sie nicht laut genug protestieren. Sollte der öffentliche Druck zu groß werden, könnten unsere Chancen wirklich besser stehen.
„Ich sehe da nur einen Haken. Wenn bekannt wird, dass du schon wusstest, dass es mich gibt, kommt das bestimmt nicht gut an. Wie soll ich sonst erklären, wie ich davon erfahren habe?“, das haben die Männer noch nicht bedacht. „Wäre es für dich vertretbar, für eine bessere Zukunft auch etwas zu flunkern?“, anscheinend meint Kyle das ernst. Spätestens jetzt wäre ich auch von selbst auf die Idee gekommen, dass er Anwalt sein muss.
Kein klarer Gedanke formt sich, es ist aber auch keine klare Frage. Wie soll man entscheiden, welche Opfer ein Ziel wert ist? Wer hat das Recht, andere zu einem Leben zu verurteilen, das man nicht führen will. Aber tun wir das nicht auch, wenn wir nichts tun, obwohl die Möglichkeit besteht es besser zu machen. „Ich glaube, wir müssen genauere Pläne machen und dann abwägen, welchen Schaden wir damit anrichten könnten. Ich habe das Gefühl, wir sind es den Menschen schuldig, es zu mindestens zu versuchen.“
© Rachel Hoffmann 2023-08-29