by Anna Geier
Ingrid hat mich zu ihrer Sterbebegleitung auserkoren. Zweimal pro Woche habe ich sie besucht. Ende März bekam sie die niederschmetternde Diagnose. Sie ahnte es schon. Im April organisierte sie ihren Abgang. Nach dem Verbrennen wird die Asche mit dem Schiff “Mariandl” in die Donau gestreut, also kein Begräbnis.
Im Mai war sie wegen einer Lungenembolie im Spital, aber nach 5 Tagen schon wieder zu Hause. Im Juni verschlimmerte sich ihr Zustand dramatisch, aber sie verweigerte jeden medizinischen Eingriff. Alternativ versuchte sie noch ein wenig, aber sie merkte den fortschreitenden Verfall. Da sie noch mit dem Auto unterwegs war, wollte sie Keshe-Gans-Technologie kennenlernen, kaufte ein Wasserenergetisierungsgerät, welches sie mir bald schenkte, weil sie damit nicht zurechtkam. Auch eine Chi-Maschine hat sie mir gegeben, für Rüttelmassagen der besonderen Art. Ingrid schenkte mir 2 Kabarettkarten von Gery Seidl, die sie schon im Vorjahr gekauft hatte. Das schönste Geschenk aber war ein Ring aus Nigeria, von Susanne Wengers Künstlern, welchen sie im Museum in Krems kaufte. Im Juni kaufte sie der Nachbarin ein Pferd, das war für alle eine Überraschung. Ingrid wollte noch etwas zum Streicheln haben. Im Juni wünschte sie sich von mir ein Agnihotra-Feuer-Ritual zum Sonnenuntergang. Danach schlief sie tief und fest. Die letzten beiden Tage machte ich dieses Ritual bei mir zu Hause, für sie.
Sie regelte alles und versöhnte sich mit ihrem Bruder und Neffen. Dabei unterstützte ich sie sehr, denn das war fürs Loslassen sehr wichtig.
Ingrid wollte immer genau wissen, was ich tat, denn sie war sehr neugierig und aufgeschlossen. Die Gespräche waren sehr offen und frei, tiefgründig, abseits des Mainstream und Out-of-the Box. Sie hatte einen sehr offenen, freien, wachen Geist, bis zuletzt. So konnten wir schwelgen und sprechen über nicht Alltägliches, auf allen Ebenen. Das geht mir jetzt wirklich ab.
“Es ist eine DemĂĽtigung wie der Körper verfällt und man dabei zusehen muss und es erlebt, täglich, wie alles mĂĽhsamer wird”, das sagte sie vorige Woche noch zu mir. Sie konnte fast nichts mehr essen und sah zum Schluss aus wie ein Gerippe mit Haut. Sie spĂĽrte, dass es zu Ende ging. Sie wusste, dass ich im September zurĂĽck ins Marchfeld fahre, was schon lange geplant war. Sie fĂĽrchtete sich vor diesem Abschied.
Ich sagte ihr immer wieder, sie solle zu ihrem Engel-Support-Team Kontakt aufnehmen, was sie vor dem Einschlafen auch praktizierte. So wurde sie am 31. August geholt in die nächste Dimension. Ihr Neffe fand sie tot am Boden liegend. Eine Seelenschwester ist gegangen. Jetzt kann ich auch loslassen und Abschied von hier nehmen. Es war der perfekte Zeitpunkt. Im Moment bin ich sehr erschöpft, aber ich habe sehr viel gelernt durch diese Praxis des Begleitens. Unendliche Dankbarkeit, sie kennengelernt zu haben und mit ihr so viel geteilt zu haben, erfüllt mich jetzt.
waldviertelleben.blogspot.com, da hatte sie am 21. August ihren letzten Beitrag hochgeladen.
© Anna Geier 2025-09-03