Das Haus hat ein Gesicht

ursi

by ursi

Story

Jänner 1992 war es soweit,mein Sohn,mein Schotte und ich im Saab nach Travemünde,mit der Fähre nach Malmö,wir waren fast da,3 stunden Fahrt noch.

Die Reifen des Autos knirschten,als wir von der Landstrasse in einen breiten Feldweg einbogen,5 Minuten später hielten wir.Der Himmel über uns war grau und tief,Nebelschwaden machten es trüb und feucht,den Blick unscharf.Ein kleines,weißes Haus hob sich kaum vom Hintergrund ab.Das Erste,daß ich wahrnahm,war:Das Haus hat ein Gesicht! In der Mitte eine blaue Türe,beidseitig je ein blaues Fenster,darüber,wie eine Mütze,das rote Dach hoben sich farblich ab und erzeugten den Eindruck eines Gesichtes,daß mich still und ernsthaft ansah.Es war kalt,wir gingen schnell hinein,3 Uhr Nachmittags,fast dunkel,im Haus war es gemütlich warm.Die Wände waren frisch gestrichen,seine spärlichen Möbel locker verteilt,meine würden in zehn Tagen mit dem Laster kommen,wir waren müde.Zum Glück liebte ich diesen Mann,denn all das hatte nichts gemein mit dem sonnigen Schweden des Spätsommers,daß ich im Kopf hatte.

Am nächsten Tag,der Himmel immer noch verhangen,war es hell genug um sich umzusehen.Zwar nicht lange,aber für das ,was es zu sehen gab,lange genug.Unser Haus war eines einer Handvoll Häuser entlang der Feldstrasse,die durch Baumgruppen getrennt waren,das ganze sah aus wie ein Windschutzgürtel,davor und dahinter nur Ebene und Felder.Das bißchen Schnee am Boden bedeckte kaum die Erde und gab dem ganzen einen schmutzigen Look.Wie gesagt,ich liebte meinen Schotten,but I was not impressed !

Wir schlenderten die Feldstrasse entlang,in Richtung eines stattlichen Farmhauses,ein typisch schwedisches Holzhaus in hellem Grau mit weißen Fensterrahmen und geschnitzter Veranda.Die Eigentümerin,Stella,eine echte Grande Dame und unsere Vermieterin,lud uns als kleines Willkommen zu Kaffe und Kanelbullar,eine Art Zimtschnecke.Die Einrichtung entsprach zu 100% der Vorstellung von edlem schwedischem Interieur, ein großartiges Haus,freundlich,warm und es roch nach Kaminfeuer

Am Heimweg riß der Himmel auf,das Licht kam zurück und damit auch die Klarheit,innen wie außen.Da war sie wieder,diese helle Weite,es roch frisch und klar und trocken,die Handvoll Häuser wurde bunt,alles um uns wurde lebendig.Bei diesem Licht war der Blick unseres Hauses freundlich.Damals ahnte ich noch nicht,daß selbiges Haus im Sommer,mit ausgefahrenen Markisen und offener Türe,aussehen würde wie ein staunendes Mädchen mit blau/weiß gestreiften Wimpern.An diesem Tag war es genug,an der Rückseite des Hauses auf den Stiegen zu sitzen,frei bis zum weit entfernten Horizont schauen zu können,das Bißchen Schnee zwischen den Erdklumpen der Felder glitzerte,das Abendrot um 14.30 bot alle Farben,die man sich von einem angemessenen Abendrot erwartet,von Gelb,leuchtendem Orange,feurigem Rot,bis Violett,das schleichend in Dunkel überging

An diesem Abend war ich das staunende Mädchen

© ursi 2020-05-13

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