Breakdance!

Erika Eck

by Erika Eck

Story

Ein Highlight für die Schülerinnen und Schüler der achten Schulstufe war wie immer die „Wien-Fahrt“ im Zuge der Aktion „Österreichs Schüler lernen ihre Bundeshauptstadt kennen!“ Und in dieser Woche das absolute Highlight war dann der Besuch des Praters! Das ganze Jahr sparten die Kinder auf die Wien-Fahrt, um dann ihr Geld im Prater in einer oder zwei Stunden zu „verputzen“ und womöglich ging alles, was sie vorher konsumiert hatten, retour, denn die Schüler fuhren mit den wildesten, Brechreiz-erzeugenden Geräten und meist wurde uns Lehrern schon vom Zuschauen schlecht!

Aber angesteckt von den Schülern, wollten auch wir Erwachsenen nicht nur Zaungäste sein und meistens suchten wir uns Vergnügungsgeräte aus, die ungefährlich waren und bei denen das Vergnügen und nicht die Angst im Vordergrund stand!

Natürlich hetzten die Schüler und machten sich über die „feigen“ Lehrer lustig und immer wollten uns die Schüler auf die gefährlichsten Geräte bringen, ja, sie wollten uns die Fahrten sogar bezahlen, um ihre „Gaudi“ mit uns Angsthasen zu haben!

Einmal waren wir mutig: Meine Kollegin Ilse und ich ließen uns von den Schülern „Breakdance“ einreden! Ein Wagen saust auf einer Drehscheibe über die Fläche, die Geschwindigkeit wird immer höher und das Gerät dreht sich bei immenser Geschwindigkeit auch noch um die eigene Achse. Die Schüler standen und schauten und johlten. Als die Kassiererin mitbekam, dass da zwei Lehrerinnen im Wagen saßen, die eine schon ganz blass, die andere bereits zu Gott betend, die Fahrt möge endlich enden, verlängerte sie von sich aus die Dauer der Fahrt! Die Schüler feuerten uns an und die Kassiererin hatte mit uns das passende Werbematerial für ihre Geräte gefunden! Ilse schrie mit geschlossenen Augen: „Oh, mein Gott, ich sterbe! Mir ist übel, wo ist der Kübel!“ Und ich blickte nur starr in den Himmel und betete um die Vergebung aller meiner Sünden, die ich das ganze Leben lang begangen hatte! Eine Ewigkeit wirbelten wir so um die eigene Achse und auf der Drehscheibe! Das Vergnügen wurde eine einzige Tortur!

Endlich hatte die Kassiererin ein Einsehen und sie hielt den Wagen an, bedankte sich sogar höflich bei uns für unseren Mut und unser Mitspielen! Als ob wir eine andere Wahl gehabt hätten!

In den Augen unserer Schüler waren wir um einige Prozentpunkte gestiegen, weil wir so viel Mut bewiesen hatten. Uns gegenseitig stützend, wankten wir weiter, den Rattenschwanz an Schülern hinter uns herziehend. Bei jedem anderen gefährlich aussehenden Gerät wollten uns die Schüler wieder auf die Anlage hetzen, aber Ilse und ich hatten für immer und ewig genug!

Natürlich war das „Prater-Erlebnis“ das Gesprächsthema Nummer Eins, als wir wieder zu Hause ein trudelten. Und ich möchte nicht wissen, wie die Schüler dieses Erlebnis zu Hause ihren Eltern ausgeschmückt und dramatisch erzählt haben!

Meine Kollegin Ilse und ich waren ganz kleinlaut und kein Wort kam über unsere „Todesangst“ über unsere Lippen!

© Erika Eck 2022-08-13

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