Der Anruf

Petra Sallaba

by Petra Sallaba

Story

Vor kurzem hab ich eine Rede geschrieben. Keine Rede fĂĽr einen Geburtstag, Jubiläum oder Hochzeit, sondern eine Abschiedsrede vom Leben! Diagnose Hirntumor einfach so kurz vor Weihnachten und danach noch 17 Monate Leben. Diese Monate sind gesehen auf das Leben bis vor der Schreckensnachricht kurz – aber sie werden genĂĽtzt, bis zu letzt. Du bereitest dich auf das Abschied nehmen vor, du verdrängst den Tag der Kommen wird, blendest ihn aus. Spielst oft selbst den Gedanken durch, was wĂĽrde ich machen wenn ich diese Nachricht bekommen hätte? Kind, Mann Hund – Weltreise? Weiter im Alltagsrad bleiben? Eine Liste mit 100 Dingen erstellen die du noch machen möchtest? Du kaufst dir BĂĽcher, du sprichst darĂĽber mit Freunden, aber das Patentrezept fĂĽr Abschied nehmen in kleinen Dosen gibt es nicht! Es gilt nur die Zeit fĂĽr dich und den Anderen so gut wie möglich zu nĂĽtzen. Dann ist der Tag der Verabschiedung da. Einerseits Erleichterung andererseits Unwirklichkeit, Leere, ein groĂźes nicht verstehen wollen! Der Alltag geht unglaublicherweise weiter. Du stehst auf machst deinen Job, versorgst die Familie, fährst in den Urlaub, machst Pläne fĂĽr die nächsten Monate Jahre! Du wirst von einem deiner besten Freunde zu seinem Geburtstag eingeladen! GroĂźe Vorfreude ihn wieder zu sehen – raus aus dem Hamsterrad ab zum Abfeiern des Lebens! Nach einem Monat läutet dein Handy, du weiĂźt sofort das mit deinem besten Freund etwas passiert ist. Geschäftsreise, Kosovo Tod. Autounfall? Nein, einfach im Hotelzimmer tot aufgefunden – NatĂĽrlicher Tod. Dieser Tod schafft es in viele österreichische Medien – denn so ein Tod im Kosovo hat anscheinend einen komischen beigeschmack. Vor einem Monat haben wir das Leben, 47 Jahre und die gemeinsame Freundschaft von ĂĽber 30 Jahren gefeiert und jetzt einfach nicht mehr da?! Einfach so mal weg! Da gab es kein vorbereiten auf Abschied nehmen, sich drauf einstellen, die Zeit nĂĽtzten fĂĽr dich und den Anderen. Da gibt es auch kein Patentrezept! Nun stehst du da und hast innerhalb so kurzer Zeit zwei völlig unterschiedliche Lebensmenschen auf zwei verschiedene Wege verloren. „Jetzt kommen wir schon in dieses Alter!“ sagt man zu dir. Aber was ist dieses Alter?! Gibt es wirklich einen bestimmten Zeitpunkt wo Abschied nehmen auf dem Alltagsplan steht und davor tritt er sporadisch ein? Ab diesem Alter soll man sich dann schon auf dieses Abschied nehmen einstellen das es kommt? Selbst liest man ja täglich von solchen tragischen Geschichten, sieht sich Filme an aber das es einem dann selbst mal so nah trifft, auf keinem Fall. Jetzt stellst du dir die Frage welcher dieser Tode wäre deiner – sich verabschieden können, sich vorbereiten zu können oder einfach mal so weg zu sein? Ratlosigkeit, Hilflosigkeit groĂźes Fragezeichen.

© Petra Sallaba 2019-08-25