Eines Tages vertrieb die Morgensonne den tief stehenden Nebel in Norddeutschland. Die Nacht war zwar trocken, aber für den Frühling außergewöhnlich kalt. Die Elster Glittery hatte erst seit einer Woche ihr neues Zuhause in der kleinen Siedlung gefunden. Glittery war gerade dabei eine Familie zu gründen. Sie hatte schon seit einiger Zeit einen Typen im Visier, welcher zu ihr passen könnte. Sie kannte zwar noch nicht seinen Namen, aber er “schlawenzelte” schon seit vier Wochen um sie herum. Er ist ihr auch hier in die Siedlung gefolgt. Glittery wusste, dass sie als Elster bei den Menschen zu den intelligentesten nichtmenschlichen Lebewesen zählte. Darauf war sie sehr stolz. Sie hatte einmal aus einem Versteck im Kirschlorbeer heimlich eine Wissenschaftssendung durch das offene Wohnzimmerfenster eines älteren Herren verfolgt. Da wurde für sie viel unverständliches Zeug, wie von dem Nidopallium caudolaterale, von Schimpansen und Orang-Utahs erzählt. Die Tiere, von denen in der Sendung erzählt wurde, kannte sie nur vom Zoo in der Nähe. Aber den Spiegeltest, den kannte Glittery. Und irgendwie ehrt es sie und die Intelligenz ihrer Artgenossen, dass eine Steuersoftware nach ihrer Gattung benannt wurde.
Zurück zu ihrem neuen Zuhause. Glittery sondierte die ideale Lage für Ihr zukünftiges Nest. Sie wollte das Nest, geschützt vor den frei laufenden Katzen, und wärmend von der Abendsonne, bauen. In dieser Siedlung mussten viele fröhliche Menschen wohnen, erkennbar an den vielen Grill- und Lagerfeuerabenden. Deswegen sollte das Nest so gebaut werden, das nicht unbedingt Grillhighlights die Aufzucht der Nachkommen störte. Glittery prüfte auch, welche Menschen einen störenden Benzinrasenmäher besaßen. Denn es gibt mindestens eine Familie, die Spaß an ihrem Aufsitzmäher hat und offenbar nur damit umherfährt, um ihre Nachbarn zu nerven. Sicherlich lässt sich solche Aktion auch unter ein “Aufmerksamkeitsdings” einordnen. Aber Glittery wollte nicht wertend sein, sondern war sehr auf ihre Achtsamkeit bedacht. Sie war eine von den Elstern, die sich keinen Zacken aus der Krone bricht. Diese Redewendung hat sie von einem Typen gehört, der laut seine Whatssapp vorlas. Das fand Glittery witzig, weil den Elstern nachgesagt wird, dass alles “Bling Bling” für sie interessant ist.
Glittery hatte gelernt ihren Warnruf in einer ganz bestimmten Tonlage auszurufen. Das typische “Schackern”, oder “Schäckern” war für Glittery nicht genug und so übte sie fleißig andere Vogellaute nachzuahmen. Deshalb war Glittery bei der Männerwelt sehr begehrt. Ihre Trillerlaute waren weit über die Siedlung zu hören. Ihr neuer Verehrer staunte mit offenem Schnabel über ihre Künste. Der Elstermann nannte sich Klaus. Dieser Name war für Glittery leicht irritierend, denn Klaus hatte nicht das Bedürfnis irgendwo zu stehlen. Womit der Ruf der diebischen Elster widerlegt wird. Jedenfalls traf sich Glittery zukünftig öfters mit Klaus. Die beiden waren voneinander angetan, sodass aus Freundschaft echte Liebe wurde. Klaus folgte der Aufforderung Glittery’s zu einem Nestbau und seit der Fertigstellung brütet Glittery in einer gesicherten Umgebung ihren Nachwuchs aus. Klaus bewacht alles. Ein glückliches Elsterpaar hat sich für die Ewigkeit gefunden. Denn wie ihr wissen müsst, bleibt ein Elsterpaar ein Leben lang zusammen. Viel Glück den beiden.
© Berta-Dickens 2025-05-28