Die Holzgeschichte

Beederl

by Beederl

Story
Waldviertel

Aus gegebenem Anlass fällt mir meine “Holzvergangenheit” ein. Ich sitze im Warmen und draußen werken drei Männer, um meine fünfzehn Kubikmeter Holz einzuräumen. Jedes Jahr brauche ich für zwei Kachelöfen ungefähr diese Menge und ich bin schon Profi, was die Qualität und die Beschaffung angeht. Man zahlt ja auch Lehrgeld im Laufe der Jahre.

Wie alles hat auch diese Geschichte im Elternhaus seinen Anfang genommen. Ohne es zu wissen, kriegt man da alles mit, ist hautnah mittendrin. Meinem Vater, Kriegskind der ersten Stunde (er kam mit 17 zur HJ Hitlerjugend, und von dort weg direkt an die Front) wurde sozusagen das Sparen in die Wiege gelegt. Er entwickelte sich zum Sparfuchs, schaute stets, wo es etwas am günstigsten gab und handelte auch noch bis aufs Blut. Aber es lohnte sich stets. Und so durfte er stetig einen fremden Wald durchforsten, das Holz gehörte ihm, bezahlen brauchte er nichts, weil der Besitzer weit weg wohnte und den Wald geerbt hatte. Dazu konnte er nach und nach zwei kleine Wäldchen erwerben. Meine Eltern steckten viel Zeit und Mühsal hinein, schnitten Bäume um und forsteten wieder auf, mussten mühevoll bewässern – wie der Kreislauf eben so ist. Der eine Wald war ertragreicher, schon mit mehr Altbaumbestand ausgestattet, sodass wir die schönsten Bäume in “die Sog” – das Sägewerk verkaufen konnten. Im Tauschhandel dazu erhielt ich davon den heutigen Dachstuhl meines Hauses. Ein genialer Deal. Meine Kinder waren oft mit in diesem Wald, lernten, sich mit nichts zu beschäftigen und freuten sich auf die köstlichen Knackwürste, die überm Feuer gebraten wurden.

So trug mein Vater allerlei Holz zusammen, das am Holzplatz unterm Friedhof gelagert wurde. Diesen Platz durften alle dort benützen und man wusste, von wo wohin es wem gehörte. Wenn die Schar voll und der Bedarf da war, wurde es mit einem geborgten Traktor oder mit dem eigenen kleinen Anhänger nach Hause geführt, wo es im Hof abgeschnitten und dann eingeräumt wurde. Von da weg half ich als Kind schon mit – es machte mir Freude und ich war stolz, so einen großen Beitrag schon leisten zu können. Es wurde direkt über eine selbstgebaute Rutsche in den Keller geworfen, wo meine Oma stand und es aufschlichtete. So habe ich es gelernt und viele Jahre dann selbst so praktiziert. Mein Vater hat das Holz zu mir gekarrt – Meter für Meter – dort wo gehamstert oder günstig erstanden. Ein Tag im Sommer war Schnitt-Tag und alle halfen zusammen. Die Kreissäge hatte er selbst gebaut, mit Rollen zum leichteren Transport.

Die Vorsorge und Hamsterei für mich ging so weit, dass mein Grundstück nicht mehr ausreichte, die Holzscharen am Nachbargrundstück standen, rund um mein Haus das bereits abgeschnittene Holz fein säuberlich lag und mein Holzkeller fast nicht mehr begehbar war. Da hatte er sogar Stützen gebaut, dass man durchgehen konnte – das Holz war sogar Überkopf. Wie er mir nicht mehr helfen konnte und ich es mir Gott sei Dank leisten konnte, bin ich umgestiegen auf fix fertige Lieferung – heute sogar inklusive Einräumen. Ich weiß, worauf ich achten muss, welche Qualität das Holz haben muss. Heuer bin ich erstmals schon im Mai mit der Einlagerung für den nächsten Winter fertig – “was man hat, das hat man!”

© Beederl 2025-05-15

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