by Fenja Harbke
Es bestand die weit verbreitete Annahme, Hexen wären gut im Meditieren. Das … stimmte zumindest für Dorika nicht.
Zwar gab es Medien und Weltenbummler unter den Hexen, die von der Magie weit über die Erleuchtung hinaus getragen werden konnten, aber das Ganze war eben auch nicht ungefährlich. Dorika hatte allerdings vergessen, warum genau.
Heute versuchte sie sich aus ganz weltlichen Gründen an einer Meditation. Sie war gestresst und wollte etwas zur Ruhe kommen. Trotz ihrer langen Liste an To-dos, dem bevorstehenden Hexentanz, Mittagszeit und … allem eben.
Außerdem besaß sie extra so ein todschickes Meditationskissen. Das hatte sie extra zum Meditieren angeschafft und bisher noch nicht benutzt. Nach fünf Minuten war es schon nicht mehr bequem. Und ihr Atem ging hektisch auf und ab mit jeder Kleinigkeit, die ihr noch einfiel.
Tatze musste gefüttert werden. Ihre Socken gestopft. Das Kissen in die Reinigung. Sie wollte sich mit Agnes verabreden. Frustriert und mit einem Aufschrei ließ die Hexe sich vom Kissen plumpsen.
Konnte sie ihr Problem vielleicht einfach mit Magie lösen?
Den Kopf frei machen ging nicht, dafür bräuchte sie einen Dämon. Aber sie konnte verhindern, dass losgelassene Gedanken direkt wieder zurück kamen, um ihre Meditation zu stören.
“Dekundus carrem linus mex“, murmelte sie und kletterte zurück auf ihr Kissen.
Dorika atmete ein und aus. Ein, ihre Schultern sanken, und aus, sie spürte das Kissen und den Boden unter sich. Ein, der Kopf wurde leicht und mit dem Ausatmen war es, als löse sie sich aus ihrem Körper. Immer leichter stieg sie empor, spürte das Licht der Sonne im Gesicht und tauchte ein in ein Meer aus Sternen. Farbenfrohe Nebel wallten um sie herum und inmitten von all dem Glitzern fühlte sie sich so klein wie eine Perle auf einem Ballkleid.
Sie war nicht länger Dorika, die Hexe, sondern eins mit dem Universum. Die Ruhe selbst. Kein Atem mehr, nur noch sein.
Ein stechender Schmerz bohrte sich in ihren Oberarm. Dorika schrie auf, wurde aus dem Weltraum zurück gerissen und landete wieder auf dem Rücken. Zurück im eigenen Körper, um vorwurfsvoll von ihrem Kater angemaunzt zu werden.
Wer war sie? Wo war sie?
Hexe. Sie war Dorika, die Hexe, und saß in ihrem Wohnzimmer. Und auf ihrem Schoß hockte ihr hungriger Kater.
“Futter. Richtig. Ja, ich mach’ ja schon.” Und ganz leise, damit er es nicht hörte, flüsterte sie noch “Danke fürs Retten. So eine Hexenmeditation ist echt gefährlich.”
© Fenja Harbke 2025-05-20