Eine kleine Geschichte der großen Dankbarkeit

Elisabeth Hiesmayr

by Elisabeth Hiesmayr

Story

Ich war nicht immer dankbar. Klar, das obligatorische „Bitte“ und „Danke“ war stets da, weil es sich ja gehört. Die Dankbarkeit in mir zu fühlen, das durfte ich lernen in den letzten Jahren.

Wie selbstverständlich nehmen wir Gesundheit, sauberes oder warmes Wasser? Wie oft kritisieren wir? Man beginnt erst nachzudenken, wenn etwas weg ist und man nicht weiß, ob es zurückkommt.

Heute bin ich für Kleinigkeiten unglaublich dankbar – sie bedeuten die Welt für mich.

In letzter Zeit bin ich mit vielen Menschen in Berührung gekommen, denen fast alles genommen wurde. Bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die Ankommenden aus der Ukraine konnte ich mehr denn je über Menschen und ihre Dankbarkeit lernen. So viele Menschen sind müde, wissen nicht, wie es weitergeht, befinden sich in einer nie dagewesenen Situation, haben Angst … Niemand erwartet da irgendetwas. Man hilft, gibt aus, was an Spenden vorhanden ist und wünscht sich, ein bisschen zum Wohlbefinden der Menschen beitragen zu können.

Ich habe das als Einbahnstraße des Gebens und Nehmens angesehen, als ich begonnen habe. Sprich, ich bin diejenige die Seife und Zahnpasta verteilt und basta. Spätestens nach der dritten Person wurde mir klar, dass ich mich geirrt hatte. Geben und Nehmen ist nicht einmal/vor allem nicht in einer Notsituation eine Einbahnstraße. Gerade dann kommt mehr zurück, als man sich vorstellen kann. Das Gefühl ist unbeschreiblich.

💙Ich habe Augen gesehen, die pure Dankbarkeit ausstrahlten.

💛Ich habe unzählige „Danke“ bekommen auf meinen Versuch, eines ukrainischen „Bitte, gern geschehen“.

💙Ich habe Komplimente bekommen von Menschen, die mich zum 1. Mal gesehen haben und unglaublich müde von ihrem langen, beschwerlichen Weg waren. Sie fanden Worte, die von Herzen kamen und mich berührten.

💛Ich habe ein Stück Schokolade bekommen von einer hochschwangeren Frau, die sich bedanken wollte und noch zusätzliche Schritte zur Essensausgabe auf sich genommen hat, um gespendete Schokolade zu organisieren und weiterzuschenken.

💙Ich habe unter den Masken unzählig viele Lächeln geschenkt bekommen.

💛Ich habe Gespräche geschenkt bekommen.

💙Ich habe Danke in sämtlichen Sprachen gehört und kreativ gezeigt bekommen.

💛Ich habe abstandskonforme Luftherzchen und Luftumarmungen bekommen.

💙Ich habe Freudentänze von Kindern gesehen.

Danke braucht keine gemeinsame Sprache. Für Danke braucht man sich nicht zu kennen. Danke will Nichts, sondern ist einfach. Danke ist ein Gefühl, ein Stück Schokolade, glitzernde Augen, ein Lächeln, ein Freudentanz. Danke ist spontan und vor allem eines: Die Verbindung zu anderen Menschen.

💫Danke ist der Beginn von etwas Gutem. Heute bin ich dankbar für die Erfahrungen, die ich in den letzten Wochen gemacht habe. Ich fühle mich reicher beschenkt, denn je. DANKE für all die wundervollen Menschen, die mir begegnet sind.

💎Danke! Дякую! Merci! Thank you! Eυχαριστώ! Grazie! Gracias! 谢谢! Köszönöm! Hvala!💎

© Elisabeth Hiesmayr 2022-04-28