by Erich Stöger
Eine mir bekannte Familie, man kann sie auf die heutige Zeit bezogen sicherlich als Großfamilie bezeichnen, war der Auslöser meiner Erinnerung bezüglich eigener Kindheit. Die Söhne und auch die Tochter haben bereits für Enkelkinder gesorgt. Aufgrund deren Alters ist zu erwarten und zu hoffen, dass noch das eine oder andere Enkelkind folgt. Es ist schön, zu sehen, wie auch heutzutage noch vier Generationen ein gemeinsames Leben verbringen. Nicht im gleichen Haushalt, das muss ich hinzufügen, aber in Form von vielen Besuchen, egal ob mit oder ohne besonderen Anlass. Ich bin mir sicher, dass es für die Großeltern nicht immer einfach ist, die eine oder andere auftretende Situation zur Zufriedenheit aller Familienangehörigen zu meistern. Uropa kann sich erlauben, über den Dingen zu stehen. Ob ein Kommentar angebracht ist oder nicht, obliegt ihm ganz alleine. Und das ist gut so. Bin ich zu Besuch, ist es mir immer wieder eine Freude, auch von den allerjüngsten angenommen und akzeptiert zu werden. Nein, eigentlich ist es mehr. Sie gehen auf mich zu, und das ist ein sehr schönes Gefühl. Es vermittelt mir eine Vertrautheit, sozusagen ein Dazugehören. Oft denke ich in solchen Situationen an Lux. Wieso, weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht ist es das unterbewusste Gefühl, welches mir sagt, meine Zusammentreffen mit Lux sind eher sporadisch, ausgenommen Anlässe wie Geburtstage, Ostern, Weihnachten und Anderes. Aber was solls, es ist so und ich bin wirklich zufrieden damit. Unweigerlich aber wecken solche Situationen Erinnerungen in mir. Meine Kindheit, meine Freunde, unsere Gemeinsamkeit, unsere Erlebnisse und Streiche, mein Dorf mit all seinen netten Bewohnern. Wir waren, egal bei welchen Eltern wir gerade Einkehr hielten, immer willkommen. Mal gab es da was zu essen, mal da was zu trinken oder einfach einen Ort, um auszuruhen. Ohne uns, wie es heute üblich ist, abzumelden, verschwanden wir einfach wieder. Immer in der Gewissheit unserer Eltern, dass wir Kinder spätestens beim Dunkelwerden zu Hause aufkreuzen werden. Natürlich hat sich mit Beginn der Schulzeit einiges geändert, aber es gab ja auch damals bereits Ferien. Abenteuer gab es in Hülle und Fülle. Zurückblickend kann ich sagen, es hat uns wirklich an nichts gefehlt. Wir hatten Spielzeug genug, sicherlich nicht in dem Ausmaß wie heute, aber wir waren zufrieden. Außerdem verbrachten wir den Großteil unserer Aktivitäten sowieso in der freien Natur. Egal ob Wälder, Wiesen, Bäche oder der Kampfluss, so ziemlich nichts war uns fremd. Wir hatten, ohne es zu wissen, Freiheit! Aber selbstverständlich wurde auch gestritten, manchmal sogar gerauft, aber irgendwie fanden wir immer wieder zusammen. Freunde eben!
Es ist mir bewusst, dass Vergleiche von einst zum jetzt herzustellen, nicht immer gerechtfertigt sind. Sie obliegen nämlich einem Zeitfaktor. Damit möchte ich nicht Sprüche wie: Früher war alles besser, in den Vordergrund stellen. Nein, das liegt mir fern. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, die Welt und alles auf ihr muss sich bewegen. Unsere Entwicklung geht ja logischerweise damit einher. Und das betrifft die Entwicklung unserer Kinder genauso wie uns selbst!
Wie sagte Galileo Galilei: „Sie bewegt sich doch!“ Ich möchte hinzufügen: „Und wir uns mit ihr!“
© Erich Stöger 2023-12-07