by Erich Stöger
Der „Dreißigjährige Krieg“ und der „Siebenjährige Krieg“ sind mir noch in Erinnerung vom Geschichtsunterricht. Auch die Schlacht bei „Waterloo“ ist noch irgendwie haften geblieben. Der „Sechs Tage Krieg“ im Nahen Osten ist mir etwas besser in Erinnerung, da schon am Ende meiner Schulzeit. Der Einmarsch der Russen in der Tschechoslowakei (nicht unbedingt Krieg, eher Okkupation) und die daraus resultierende Mobilmachung des österreichischen Bundesheeres, machten mir erstmals klar, was gar nicht weit weg von meinem Wohnort an Schlimmen passierte. Während meiner Lehrjahre, also auf dem Weg vom Jugendlichen zum Erwachsenen, bekam ich erstmals etwas zu hören und zu sehen (im TV) vom Vietnamkrieg. Für die Hippiebewegung war ich einige Jahre zu jung. Aber die Musik mit der die damaligen Stars gegen diesen Krieg protestierten, aber nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen die amerikanische Regierung und das gesamte Establishment, die bleibt mir unvergesslich. Woodstock! Peace! Make Love, not War! All you need is Love! Die Musik dieser Künstler, wenn ich sie heute noch höre, führen mich unweigerlich in meine Jugendjahre zurück.
Dokumentationen über alle möglichen Kriege sehe ich gerne, aber nicht aus Sensationsgier, sondern für meine persönliche Aufklärung. Es gab für meine Generation diesbezüglich ja keine wirkliche Information. Über diese Sachen wurde einfach nicht gesprochen. Und woher sollten wir damals Information erhalten? Hätte ich zur Zeit meines Erwachsenwerdens nicht die eine oder andere Geschichte von meinem Vater zu hören bekommen, hätte ich wahrscheinlich noch weniger über die beiden schlimmsten aller Kriege erfahren. Kriege, die Millionen von Menschen das Leben kosteten und extrem grausam waren. Er hat mir doch die eine oder andere Situation, die dazu führten, erklären können. Aber sonst, tiefes Schweigen in der Allgemeinheit! Und die jüngere Gegenwart, Jugoslawien, Desert Storm, Desert Shield, Afghanistan. Krieg irgendwo auf dieser Welt, weit genug weg? Na ja! Krieg in Europa? Nun ja, schon etwas mehr zum Nachdenken! Es ist ja eigentlich noch nicht so lange her, als unser Nachbarstaat zerfallen ist. Ich möchte auch nicht zurückblicken, aber es geschah schließlich vor unserer „Haustür!“ Manche mögen oder können sich nicht mehr erinnern, aber wir hatten den Krieg an unseren Staatsgrenzen. Zugegeben, so richtig versanden, habe ich bis heute nicht warum dieser Konflikt so eskalierte, und auch heute, in einigen Teilstaaten innenpolitisch und auch international noch nicht gänzlich beigelegt ist.
Aber zurück in die Gegenwart. Seit rund zwanzig Monaten tobt ein fürchterlicher Krieg in der Ukraine! Seit zwei Wochen tobt es wieder einmal im Nahen Osten! Und bei beiden sind die Entwicklungen nicht unbedingt vorhersehbar. Ich möchte keine der Kriegsparteien in diesen fürchterlichen Kriegen im Besonderen erwähnen. Gedanken über diese kriegsführenden „Länder“ mache ich mir natürlich schon. Aber nicht nur wie diese Kriege irgendwann und irgendwie hoffentlich enden werden, sondern vielmehr was geschieht danach? Ein Zuviel an Grausamkeiten wird uns täglich dargeboten. Wohin soll und wird all dies führen?
© Erich Stöger 2023-10-23