Gustieren statt studieren

Christoph Litter

by Christoph Litter

Story

„O mein Gott, was habe ich gestern aufgeführt?“ – total verkatert erwachte Markus auf der Sitzbankgruppe in der Küche. „Nie wieder!“, murmelte er während er mit Kopfschmerzen für drei Leute sowie dem widerlichen Geschmack von Alkohol im Mund sich aufsetzte.

Zack, Bamm – Kopf angeschlagen am Küchentisch, womit die Schmerzen nun wohl für fünf Leute gereicht hätten. Durch die durch das Küchenfenster strahlende Morgensonne sah er sich umgeben von tanzenden Staubpartikel und nochmals nahm er sich vor nie, aber wirklich nie wieder in diesem Maßen zu übertreiben. Langsam versuchte er Bruchteile der gestrigen Nacht zu rekonstruieren. Doch sein Kopf war leer – im Gegensatz zu seinem Magen. Ohne es verhindern zu können erbrach er sich unter, teilweise auch auf, dem Küchentisch und er erkannte, dass er sich zum krönenden Abschluss der gestrigen Eskalation noch etwas mit Nudeln gegönnt hatte. Die Annahme wurde bestätigt, als er bei Küchendurchgang eine halbleere papierene”Happy Noodles”-Box liegen sah.

Markus stand auf, entfernte sich vom Ort des Erbrechens und wankte zum Ort des Nudelverbrechens. „Sieht aus, als wäre der Mörder überhastet geflüchtet“, konstatierte er. Neben dem Küchendurchgang lag ein Schuh und der zugehörige Socken. Vom zweiten Schuh keine Spur, was daran lag, dass sich dieser vor der Haustür im Vorgarten befand. Den zweiten Socken musste er nicht lange suchen, dieser lag am Küchentisch neben einer Dose Bier. Ordnung gehörte schon im nüchternen Zustand nicht zu seinem Stärken, im betrunkenen Zustand gehörte es absolut nicht in seinen Wortschatz.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, welche er Sinn befreit auf das Chaos in der Küche blickte, streckte er sich und begann Stück für Stück den gestrigen Tag Revue passieren zu lassen.

Die Uni Prüfung hatte er, und das konnte er ehrlich von sich behaupten, komplett verkackt. Nach Eineinhalb Stunden Halbschlaf auf den hölzernen Sitzbänken der Uni gab er es auf und seinen, nicht mal zu einem Drittel ausgefüllten, Prüfungsbögen dem etwas verwirrten Professor ab.

Nach diesen zwei vergeudeten Stunden machte er das, für ihn, einzig richtige in dieser Situation. Er ging auf ein „Scheiß drauf, hab’s probiert“ – Bier in sein Stamm-Pub, welches zu seinem Glück bereits um zehn am Vormittags die heiligen Pforten für „Hab’s probiert“ Studenten wie ihn öffnete.

Dann ging alles ziemlich schnell. Ein Bier wurde getrunken, dann das zweite, dazwischen immer wieder ein „was kost‘ die Welt“-Stamperl usw…

Der Rest ist wie sein, mittlerweile geschmissenes Studium, Geschichte.

© Christoph Litter 2021-02-15