Meiner Mutter und meinen Geschwistern habe ich schon einige Geschichten gewidmet. Mein Vater soll auch nicht zu kurz kommen!
Im Großen und Ganzen war mein Vater ein friedlicher Mensch, der allerdings unsere Erziehung der Mutter überließ, da er sechs Tage pro Woche arbeitete und daher wenig daheim war. Waren meine älteren Brüder einmal nicht ganz brav, dann griff er nach seinem Gürtel (er trug auch Hosenträger) und es herrschte wieder Ruhe. Er hat nie mit uns geschimpft oder uns gezüchtigt. Da war die Mutter schon strenger, bei sieben Kindern auch erforderlich!
Zum Leidwesen meiner Mutter war mein Vater ein starker Raucher ( 60 Zigaretten pro Tag!) und saß gerne etwas länger im Gasthaus bei einigen Vierterl! Er versuchte sich auch gelegentlich als Pferdeverkäufer, was meistens mit einem Defizit endete. Einmal sollten mein Bruder Edi und ich in seinem Auftrag ein Schaf nach Kobelhof bringen, ca 5 km entfernt von unserem Heimatort Rudmanns. Das störrische Vieh wollte aber partout nicht gehen, sosehr mein Bruder auch zog. Da kam ich drauf, dass das Schaf sich weiter bewegte, wenn ich beim Schwanz etwas drehte!
In seiner Jugend war mein Vater offensichtlich nicht ganz friedlich und beteiligte sich an mancher Rauferei, wie er mir erzählte. Als er einmal einem Burschen ein Bierfass in den Nacken warf (ob es Verletzungen gab, weiß ich nicht mehr), nahm man ihn kurzerhand fest und er musste für zwei Nächte in den Gemeindekotter nach Zwettl! Der zuständige Beamte und dessen Frau waren ihm sehr gewogen und mein Vater musste nur Putzarbeit im Gebäude verrichten. Eine Verurteilung gab es übrigens nicht. Das Delikt dürfte nicht schlimm genug gewesen sein!
Mein Vater arbeitete ursprünglich in der Neumühle, die dem Stift Zwettl gehörte. Leider wurde er 1935 vom Kloster gekündigt, was ich angesichts von 6 Kindern nicht sehr christlich empfinde! 1938 erhielt er dann einen Job in der Lagerhausmühle von Zwettl, wo er bis zu seiner Pensionierung arbeitete.
In einer Mühle gibt es viel Staub, da ist es nur natürlich, dass man dagegen mit entsprechender Flüssigkeit vorgehen musste! Daher war immer genug zu trinken vorhanden. Das wussten bald auch die russischen Besatzungssoldaten und kehrten gerne in der Mühle ein. Wie mein Vater erzählte, gab es, wenn alle schon etwas mehr Alkohol genossen hatten, manchmal auch eine freundschaftliche Rauferei. Er war nicht sehr groß, aber drahtig und flink und warf dann einfach die Soldaten unter die Mühlsäcke! Da sie alle sehr lustig drauf waren, gab es nie Probleme. Er war übrigens so geeicht, dass er leicht mit den trinkfreudigen Russen mithalten konnte.
Mein Vater, den ich nie krank erlebt hatte, der weder mit Fieber noch sonst irgendeiner Erkrankung zu Bette lag, starb mit 72 Jahren an einem Abszess im Kopf, anscheinend damals nicht operierbar!
© Hannes Zeisler 2022-08-12