In Klaren Nächten

TheFrogWrites

by TheFrogWrites

Story

Hast du schon mal nachts, nach einem unangenehm schwülen Tag, das Fenster aufgemacht, dich vorgebeugt und die frische Luft eingeatmet? Einen tiefen Atemzug genommen, der so klar und besänftigend war, dass du nicht anders konntest, als breit zu lächeln? Über dir das Sternenzelt, funkelnde Diamanten verteilt auf dunkelblauem Samt, so unvorstellbar weit weg und doch ein fester Bestandteil dieser Welt. Selbst wenn die Wolken uns die Sicht verhängen, wissen wir doch, dass die Sterne dahinter sind. Und in klaren Nächten, in denen wir ganz tief einatmen, funkeln sie meistens auf uns herab.

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die ich vor Jahren geträumt habe. Kurz vor dem Schlafengehen hatte ich ein Gedicht darüber gelesen, wie die Sonne sich schlafen legt, damit ihr geliebter Mond nachts existieren darf – und im Traum habe ich zugesehen. Ich habe hinausgeschaut auf eine felsige Bucht vor einem rosaroten Himmel, sah wie die Sonne hinabstieg mit einer Fackel in der Hand und sich schlafen legte im Sand.

Eine zärtliche Berührung mit den Fingerspitzen, als der Mond sich erhob; ein Blick voller Liebe und Sehnsucht. Dann ist der Mond aufgestiegen und das Meer unter ihm fing an zu glitzern im Silberlicht.

Die Sonne schlief die Nacht hindurch, geborgen zwischen den Felsen der Bucht. Ohne ihr Wissen schwebte der Mond immer über ihr, hatte stets ein Auge auf sie, selbst als er die klare Luft einatmete und seine Chance zu scheinen genoss.

Als die Nacht zu Ende ging, erwachte die Sonne mit einem Lächeln und blinzelte hinauf zum Himmel, um einen Blick auf ihr Gegenstück zu erhaschen. Unbeschreiblich schön war der Mond, strahlend und kühl, umgeben von Millionen funkelnder Lichter; wie sein persönlicher Sternenstaub.

Im Traum lächelte ich, doch wäre es möglich gewesen, wäre mir auch eine Träne entwischt.

Nur eine handvoll Nächte im Jahr sind die beiden zusammen; wenn unsere Nacht dunkel und der Mond nirgends zu sehen ist. Ist dieser Preis gerecht?

Wann immer ich nun aus dem Fenster blicke und einatme, rieche ich die klare Luft, sehe die funkelnden Sterne, bewundere den Mond – und erinnere mich daran, dass die Sonne aufsteigt und mit ihr die Dämmerung; dass der Mond hinabgleitet mit einem sanften Lächeln und mit den Fingerspitzen die Sonne begrüßt; und dann schläft er.

Und während er schläft, lächelt die Sonne auf ihn herab, verzückt von seiner Schönheit.

Manchmal, in diesen Nächten, schaue ich hinauf und frage mich, ob der Mond bemerkt, dass ich ihn ansehe, und ob er zurücklächelt; melancholisch und sanftmütig, umgeben von Sternenstaub.

© TheFrogWrites 2022-07-01

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