by Luxbrae
Der riesige Strom aus Schülern fließt langsam die Gänge entlang. Die engen Flure und Türrahmen haben kaum Platz für all die erschöpften Kinder und Teenager, die nun, mit Ende des Unterrichts, gemeinsam nach draußen eilen wollen. Gemächlich treibe ich mit dem Strom mit, darauf bedacht nicht durch das ganze Gedränge, um mich herum verletzt zu werden, oder an einem der Durchgänge festhängen zu bleiben.
Dennoch atme ich erleichtert die Herbstluft ein, als ich die Schwelle des Hauptportals übertrete.
Hier verflüchtigt sich die Masse allmählich in immer kleiner werdende Grüppchen. Viele eilen vermutlich an diesem trüben Tag direkt nach Hause, doch für mich geht es ab zum Rand des Bewerbergebiets dahinter.
Der Weg ist für nicht sonderlich weit, nur in etwa ’ne Stunde mit Bus und Bahn. Je weiter ich komme, desto leerer werden die Verkehrsmittel.
Den letzten Rest wandere ich zu Fuß, an einige großen grauen Bürogebäude, Lagerhallen und metallene Container vorbei.
Eingequetscht zwischen den Rückseiten zweier großer Mietdepots, einem Firmenhaus, sowie einer bewaldeten Ackerrandstreifen, steht eine kleine gemütlich an wirkende Blockhütte. Ursprünglich war diese als Schuppen gedacht worden, vor der sich die Rauchenden der Firma eine Feuerpause gönnen konnten.
Doch irgendwie hatte mein Kumpel Dan es geschafft, seinen Vater dazu zu bringen, sie ihm als Clubhaus zu überlassen. Sie diente zwar immer noch als Lagerstätte für allerlei Krempel … doch bei weitem nicht so viel, wie sie eigentlich fassen konnte. Den Rest hatten wir bestmöglich so umgestellt, um uns dienlich zu sein.
Mit der Zeit kamen dann noch privater Kram von uns und Deko hinzu.
Und so war unsere kleine Festung aus alten Tischen, Sofas, Kissen, Kisten, und Werkzeugen entstanden.
Mit vorfreudigen Fingern ziehe ich meinen Schlüsselbund hervor und lasse mich herein.
Es ist niemand da. Gut so!
Hinter mir schließe ich die Tür wieder ab. Dann laufe ich, nachdem ich noch kurz meine Sachen abgestellt habe, schnurstracks auf einen Schrank an der Seite zu, an dem einige Videospielposter hängen.
Verborgen unter einigen alten Kleidern und Kostümen, fördere ich schließlich die Truhe zu tage.
Meine Finger streifen sanft über das Massivholz. Obwohl das Material kühl ist, kann ich eine rote Hitze in ihm fühlen, die langsam knisternd in meine Finger überspringt, und sich glühend über meine Adern und Knochen hocharbeitet.
Mir neue Kraft und Energie gibt.
Früher hatte die Truhe mal einen Schlüssel gehabt. Damals vor 3 Jahren als mir meine Eltern sie bei einem Flohmarkt gekauft und geschenkt hatten. Damals, als sie bloß für mich ein altmodisch schöner Gegenstand gewesen war, der mich an meine Lieblingsbücher erinnerte.
Doch nun ist sie viel mehr für uns.
Sie hat keinen Schlüssel mehr.
Wir haben ihn unbrauchbar gemacht.
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