Ivelion: Magie ist Leben 2.

by Luxbrae

Nach dem ganzen starren Tag in der Schule, der gefühlt mit fast jedem anderen ausgetauscht werden könnte, ohne große Unterschiede, fühlt sich diese Wärme so belebend an.
Als würde mein Körper und Geist nach einem langen, ungemütlichen Schlaf endlich erwachen und sich lockern.
Als würde Ich wirklich aufwachen.

Ich heiße die Wärme weiter etwas willkommen, bis sie meinen gesamten Arm mit Feuer ausgefüllt hat. Dann flüstere ich ihr ihren ersten Auftrag zu. Ohne Worte, es braucht keine. Trotzdem formen meine Lippen wie aus Instinkt meinen Willen: „Öffne dich!“

In meinem Kopf male ich mir aus, wie die einzelnen Metallkomponenten sich verschieben, zurückgedrückt werden, als wäre ein Schlüssel hineingeschoben worden.
Ich stelle mit dem genauen Druck vor, den mein Wille gegen den ersten Bestandteil ausführt und diesen dreht. Ich fühle förmlich die einzelnen Teile aufeinander drücken und sich bewegen, als wären sie ein Teil von mir. Bis letztendlich der Riegel -Stück für Stück mit jeder kleinen Bewegung ein wenig mehr- zur Seite rutscht.
Für einige kleine Momente bin ich das Schloss und kein Mensch. Kein Wesen mit zusätzlichen Gedanken, sondern nur mit dem, was ich bin: Ein Schloss voller Kraft, Wärme und Bewegungsenergie, die meine harten, metallenen Komponenten dreht.
Frei, natürlich, ein Teil der Welt wie alles andere.

Dann bin ich wieder ich. Ein Mensch.
Mit einem Lächeln hebe ich die Augenlider wieder und will die Truhe öffnen. Ziehe aber dann schnell die Hand zurück, als meine Finger das heiße Metall des Schlosses flüchtig berühren.
„Aua“, entfährt es mir, während ich den Schmerz wegpuste und die Verletzung beäuge. Das sollte nicht schon wieder eine Brandnarbe werden.

Diesmal darauf bedacht, nicht das Schloss zu berühren, klappe ich den Holzdeckel hoch.
Nicht existente rote Hitze flutet mir entgegen und lässt Stromstöße über meine Haut tanzen.
Es riecht nach Leben, Kamin, Lagerfeuer, Freude, Schweiß, Gegrilltem, Vulkanasche.
Der Geschmack von Feuer liegt auf meiner Zunge. Wieder schwelge ich etwas in all dieser Pracht, wie in Musik, die ich liebe, aber nicht nachmachen kann.

Auf einem Stapel von in Mappen abgehefteten Notizen, Stiften und anderen Utensilien liegt ganz oben der Quell all dieses Infernums: ein in Stoff und Pappe handgebundenes Buch.
Der Einband ist bereits ordentlich abgegriffen und teilweise stark von Macken überzogen. Von den knittrigen Seiten und den vielen Eselsohren ganz zu schweigen.
Und das, obwohl das Buch nicht mal allzu viele Jahrzehnte hinter sich hat.

Aber na ja. Man kommt halt an die verbotenen Grimoires, an die man dran kommt und gibt sich damit zufrieden. Vor allem, wenn es von Wissen und Infernum, beides genügend hat.


Kapitel Übersicht: https://linktr.ee/Luxbrae

Hashtags: