by Beata Beck
Äußerlich eher unscheinbar, aber trotzdem anlockend und sehr belebt durch viele Gäste hat sich im Herzen der Wieden seit ein paar Jahren ein kleines Café etabliert, das gerne zum kürzeren oder längeren Verweilen aufgesucht wird. Ob Anrainer, Berufstätige diverser Sparten – Künstler, Architekten, Musiker, – Eltern, die ihre Kinder zur Schule gebracht haben, TU-Studenten: ab zeitig in der Früh haben sie alle etwas gemeinsam – sie sind Kaffeeliebhaber und wollen den köstlichen, eigens gerösteten Kaffee der kaffeefabrik genießen. Von Bohne bis Milch alles bio und für jeden Milchtyp angepasst.
Besonders begehrt sind die wenigen Tische draußen im Frühling und Herbst während der Zeit, in der die Sonne einmal am Tag von der einen Seite der Favoritenstraße auf die andere Seite hinüberzieht. Spürbar der Moment, wenn sie dann hinter den Häusern verschwindet und man den plötzlichen Unterschied der entzogenen Wärme wahrnimmt. Die gleichen Strahlen, vor denen man im Sommer in den Schatten flüchtet.
Man sieht immer wieder dieselben Personen, vor allem zur gleichen Uhrzeit. Alle haben sie ihre Gewohnheiten beim Kaffee, die man als Kaffeenachbar mitunter auch kennenlernt. Viele lesen Zeitung – bis jetzt habe ich vorwiegend Standard – und Falterleser gesichtet – arbeiten an ihrem Laptop und führen Pläusche oder Geschäftsgespräche, bei denen man mitunter auch gezwungen wird mit zuhören, obwohl man doch eigentlich nur sein Buch lesen möchte. Kopfhörer helfen aber.
Die einen trinken ihren Kaffee in schnellen Schlücken aus, die anderen genießen langsam. Eine davon bin ich. Als innere Beobachterin und leidenschaftliche Analytikerin, die sich dabei so unbemerkbar wie möglich macht, finde ich es immer wieder spannend, den Typ Mensch in seiner Art des Verhaltens als auch optischen Erscheinung einem Beruf oder Berufssparte zuzuordnen. Gerade, weil das Café auch von vielen Künstlern besucht wird. Oft bleibt das Rätsel ungelöst, immer wieder kommt man durch Zufälle dann doch darauf und manchmal weiß man es einfach, weil man entweder den Menschen kennt oder nur das Gesicht aus der eigenen Branche, ohne den Menschen selbst. So schweifen dann manchmal die Gedanken hin und her, unterbrochen in der mitgebrachten Lektüre oder Arbeit.
© Beata Beck 2023-01-17