Kampf gegen das Vergessen

Peter Siegfried Krug

by Peter Siegfried Krug

Story

Am 14. Mai 2013, also vor über 12 Jahren erschien das bedeutende Sachbuch “Abgestempelt und ausgeliefert”. Ein historisches, wissenschaftliches Buch über ehemalige Kindermisshandlungen in Kinderheimen und Pflegeplätzen innerhalb der Salzburger Landesgrenzen. Die Autoren hießen Ingrid Bauer, Robert Hoffmann und Christina Kubek.
Es erschien mit “Studienverlag”. 
Dieses Buch war der erste Versuch innerhalb der Salzburger Grenzen Kindermisshandlungen und sexuelle Vergewaltigungen in Fremdunterbringungen, also Kinderheimen zu dokumentieren. Christina Kubek interviewte damals ca. 15 Personen, die sich damals freiwillig entschieden hatten, über ihre schrecklichen Erfahrungen zu sprechen. -Damit wurde innerhalb der Salzburger Grenzen zum ersten Mal in der Salzburger Geschichte dieses Tabuthema thematisiert. Ein Tabuthema, das auch heute noch auf mehr Widerstände stößt, als beispielsweise Menschen, die ein Nahtoderlebnis hatten.
Der gemeinsame Nenner von Menschen, die ein Nahtoderlebnis hatten, und Menschen, die in Kinderheimen waren, ist das überwältigende Trauma. Ein tiefes Trauma, das Menschen zwingt, auch noch nach vielen Jahrzehnten später ihre Erlebnisse – eng verbunden mit Ängsten vor Isolierung zu verstecken und es für sich selbst im Inneren zu behalten. Denn die Angst, nicht verstanden zu werden, ist berechtigt. Psychische Gewalt, mehr noch als körperliche Gewalt bleibt im Kopf der Opfer verborgen. Sie ist mit Schamgefühl und mit Schuldgefühlen verbunden. Zudem riskieren ehemalige misshandelte, traumatisierte Opfer bei Bruch der Schweigemauer im Nachhinein für verrückt gehalten zu werden, oder nicht geglaubt zu werden. -In diesem oben erwähnten, eminenten Buch wurden neben dem sehr bekannten Schriftsteller Franz Innerhofer weitere circa 15 Personen interviewt. Sie wurden gebeten, über ihre Heimerfahrungen zu berichten.


Für die meisten der Interviewten war es das erste Mal, dass sie den Mut aufbrachten, Jahrzehnte zurückliegende eigene Kindermisshandlungen zu berichten. –Es ist besonders hervorzuheben, dass damals keiner dieser Heimopfer auch nur 10% ihrer Lebensgeschichte aufgearbeitet hat. –Das heißt dann auch, dass das Ausmaß dieses Traumas auf die Schule und der späteren Arbeitskarriere und der Lebensqualität der Betroffenen im Sachbuch nicht annähernd beschrieben werden konnte. Das Sachbuch von Ingrid Bauer, Robert Hoffmann und Christina Kubek schoss sich zudem ein Eigentor, indem sie alle Berichte von Betroffenen mit Ausnahme von Peter Krug im Buch stark zensierten und anonymisierten. 
Der Datenschutz, der in Österreich gesetzlich stark verankert ist und den Schutz der Privatperson betrifft, war der Hauptgrund dafür. Diese größtenteils anonymisierten, stark fragmentierten Berichte der Heimopfer im Sachbuch können deshalb teilweise als eine Fortsetzung des Phantomlebens ehemaliger Heimopfer beschrieben werden. Das Sachbuch selbst wirkt “staub -trocken”, faktenorientiert und für breite Leserschaft wenig attraktiv. Statt Bilder und Namen im Buch zu erwähnen, wurden Tabellen und allgemeine Fakten und Buch -Verweise angegeben. Das Buch wendet sich somit hauptsächlich an Studierende und nicht an die breite Öffentlichkeit.


© Peter Siegfried Krug 2025-11-14

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Suspense & Horror
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Herausfordernd
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