by Verena Haun
âNa schau, sie sind endlich wieder da. Kommt nur aus allen LĂ€ndern der Welt. So ist es gut, tragt euer Geld zu uns, so soll es sein.”, denkt sich Abgeordneter Mansu wĂ€hrend er die ersten Buchungen auf der Plattform seines eigenen Hotels ĂŒbers Handy eintreffen sieht, kaum gestört durch die Eröffnungsworte der PrĂ€sidentin. Die neuesten COVID-Ăffnungsschritte der Bundesregierung sind Gold wert. Es waren doch harte Zeiten, die nun langsam hinter dem Horizont zu verschwinden scheinen. Sicher halfen die ganzen ZuschĂŒsse ĂŒber die letzten Monate sehr gut hinweg, nur was wĂ€re da noch an SpitzenumsĂ€tzen möglich gewesen im vergangenen Jahr, hĂ€tte sich der Virus auf Asien beschrĂ€nkt. Die ganzen Nachtlokale, so teuer gebaut und so menschenleer. Die Seilbahnen ohne GĂ€ste, nur fĂŒr Einheimische, es tat ihm im Herzen weh. Verwaiste Pisten, geschlossene HĂŒtten, leere Thermen, wie soll ein Touristiker das ertragen? HĂ€tten die sich vor einem Jahr nur alle etwas beruhigt, bevor mit MaĂnahmen wild um sich geschossen wurde.
âJa, die Regierung hat ihr Bestes gegeben, so leicht war es noch nie meinen Umsatz zu generieren, daran hĂ€tte ich mich auch gewöhnen können. Aber langsam wĂ€re es schon schwierig geworden die Gelder zu verwalten, ich kann schlieĂlich nicht dauernd neue Bauprojekte starten; geschweige denn sie im Gemeinderat auch fĂŒr andere genehmigen. Meine GlaubwĂŒrdigkeit wĂŒrde gehörig in die Binsen gehen, wenn die Krise langsam abflaut haben die Menschen wieder mehr Zeit ĂŒber anderes nachzudenken und dann fallen die ganzen KrĂ€ne auf. Obwohl mir mein Vorhaben fĂŒr weitere 50 Betten schon recht gut gefĂ€llt, was das an Umsatz einbringt, da kommen mir fast die TrĂ€nen. Vielleicht geht sich noch ein Projekt zur Genehmigung aus. Die ein oder anderen GemeindebĂŒrgerInnen haben sich zwar schon gerĂŒhrt, aber das ist nicht weiter schlimm, momentan kann alles mit Innovation fĂŒr die BewĂ€ltigung der Krise gerechtfertigt werden, das kaufen mir die meisten ab. Und den Rest stempeln wir als wirtschaftsfeindliche Linksradikale ab, dann hat sich das Problem fast schon von selbst gelöst.â Zufrieden sitzt er auf seinem Stuhl und fĂ€hrt sich mit einer Hand durchs gestylte Haar: âIch bin schon ein heller Stern am Polithimmel.â
Aus weiter Ferne dringt der eigene Name an sein Ohr, es scheint Zeit zu sein fĂŒr seinen Beitrag zur Sitzung. WĂ€hrend er sich sein Sakko auf dem Weg zum Rednerpult zuknöpft, gibt er sein charmantestes LĂ€cheln zum Besten, schlieĂlich sieht die Presse zu und der Zauber der Jugend hat schon so manche TĂŒr geöffnet. Beide HĂ€nde am Rednerpult, aufrechte Haltung, wie in der Parteiakademie gelernt und noch ein paar motivierende Gedanken: âIch bin schön, ich bin einzigartig, ich bin die Zukunft dieses Landes.â Abgeordneter zum Landtag, es ist Zeit fĂŒr Ihre aufrĂŒttelnde Rede gegen Bodenversiegelung und ausufernde Bauprojekte in diesem Land. Jemand muss schlieĂlich fĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, die ihren Erholungsraum brauchen, aufstehen.
© Verena Haun 2021-07-26