by Lara Seifert
Dieses Haus.
Ein Heim in dem ich lebte, Erfahrungen machte, ich selbst war und dann langsam lernte diese Fenster zu verschließen.
Mit seinem Dachfenster durch das man die Sterne sieht, die Treppe mit genau 13 Stufen von denen die 4te und 7te knarzt.
Dieses Haus, nur ein Haus mit seinen Türen, den Schränken voll mit Büchern, die Welt, die hier entstanden ist.
„Nur ein Haus“.
Meine Welt, mitten in diesen Wänden, die Erinnerungen, nur am Leben gehalten durch mich.
Voller Geschichten und Erzählungen, voller vergangener Leben in all diesen Dingen.
Wie ein Topf in den ich geworfen werde sobald mein Fuß die Schwelle übertritt, plötzlich nicht mehr vergessen, plötzlich am Leben und plötzlich nicht mehr ich.
Es war unsere gemeinsame Sandburg die wir im Garten zusammen gebaut haben, Fenster, Türen, fast schon wie ein Heim.
Unsere Geschichten die wir erzählt haben, jeden Abend vor dem einschlafen, wenn jetzt jemand danach fragt, kann ich mich kaum erinnern.
Unsere Sandburg die du zertreten hast und ihr das „zuhause“ genommen hast.
Denn was ist ein Schloss schon ohne seine Fenster und Türen?
Ich hasse dieses Haus. Das Zimmer das mal meins war, die Bilder die ich gemalt hab und die Puppen, die von mir überall mit hingeschleppt wurden.
Ich hasse den Teppich auf dem ich lag an unserem letzten Tag, den Sessel auf dem ich dich zum ersten Mal so wirklich gesehen hab, ich hasse den Kleiderständer und die Rollläden, an alles hier erinnere ich mich.
Alles hier materialisiert einen Teil von meinem Ich, erinnert mich an das was ich nicht mehr sein will.
Warum musstest du mich auch zusammen mit dir hier einsperren, sobald ich dir die Schlüssel anvertraut hab?
Dieses Haus.
Mein Heim.
Unsere zerstörte Sandburg.
Mit all den Dingen und mit dir, mit deinem Leben und der Vergangenheit von uns beiden.
Kein Heim.
Nur ein Haus voll toter Leben und eine Sandburg ohne Fenster und Türen.
© Lara Seifert 2023-08-13