Mein Marianengraben – Teil 2

by Bernhard Neubacher

Love. (hurts)

Naja, gut. Liebe mag vielleicht ĂŒbertrieben sein. Aber die Überschrift passt und ist noch dazu ein ziemlich guter Song von Incubus. Aber es war sehr knapp dran. FĂŒr mich zumindest.

Jeder der schon mal das VergnĂŒgen hatte, zur (Vor)Weihnachtszeit in Salzburg zu verweilen weiß sicher von der Unschlagbarkeit des Christkindlmarktes in der Altstadt. War also klar, dass ein Date, das im November stattfindet, auch einen Besuch dessen beinhalten muss.

WĂ€hrend sich die NervositĂ€t zumindest sichtbar in Grenzen hielt, so kann man sich vielleicht denken, dass mein Inneres Ă€hnlich vor Aufregung gekreischt hat, wie an dem Tag an dem ich zur Sebastian Fitzek Vorlesung gegangen bin. Wahrscheinlich noch mehr. Viel mehr. Vor allem als es dann soweit war, ich sie seit einer gefĂŒhlten Ewigkeit wiedersah und ich mir dasselbe dachte, wie beim ersten Mal. “Wow, einfach nur Wow.”

Das Date lief
spitze? Ich konnte im Haus der Natur mit meinem nicht-vorhandenen Wissen ĂŒber Dinosaurier auftrumpfen, am Christkindlmarkt habe ich etwas eingekauft, obwohl ich (nicht wissentlich) kein Bargeld dabeihatte und das erst holen musste und als begnadeter Tour-Guide fĂŒhrte ich den Spaziergang planlos durch die finstersten Ecken Salzburgs die mich schreiend aufwachen lassen wĂŒrden, sollte ich jemals davon trĂ€umen. Wenn das nicht ĂŒberzeugt, was dann? Zum HĂ€ndchenhalten kam es trotz des Grusel-Spaziergangs noch nicht, aber die Finger kamen sich immerhin des Öfteren in die Quere.

Der Recall lief deutlich besser, immerhin gab es keinen Gruselspaziergang mehr, man kam sich nÀher und auch die HÀnde fanden sich gleich.

Wochen vergingen und meine eiserne Einstellung, dass allein zu sein vollkommen okay und perfekt fĂŒr mich ist, schmolz dahin. Genau wie ich in ihren Armen, die sich anfĂŒhlten wie ein Zuhause das man nie verlassen will. Und nun hatte ich Angst. Angst davor, wieder allein zu sein, sie und das GefĂŒhl zu verlieren “Zuhause” zu sein. Diese Angst blockierte und lĂ€hmte mich, zu 100 Prozent der zu sein, der ich bin. Die beste Version von mir, die sie verdient hĂ€tte. Nach gemeinsamen Weihnachtsfeiertagen und Silvester holte mich die Furcht ein und trieb mich in meinen Marianengraben, als mir gesagt wurde, dass aus uns nichts wird.

Ich der, wie anfangs geschrieben, von sich selbst dachte geerdet und “unbesiegbar” zu sein, wurde erbarmungslos vom Abgrund verschluckt. SĂ€mtliche wohlige GlĂŒcksgefĂŒhle, schöne Gedanken, mein Selbstvertrauen und meine Zufriedenheit die mich wie Feuer erwĂ€rmten, wurden von der Finsternis ausgelöscht und durch diese ersetzt.

Nur langsam schaffte ich es wieder hinaus aus dem Graben, allerdings nicht ohne immer wieder abzurutschen und auch nicht ohne bleibende Narben.

Die grĂ¶ĂŸte davon ist die Gewissheit, sie und ihr wunderschönes LĂ€cheln nie wieder zu sehen und zu wissen, dass mein Marianengraben auch in Zukunft darauf warten wird, mich wieder in Empfang zu nehmen. Egal wie schön die Zeit ist oder war.

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