Ich entrümpele heute. Alle Schränke werden durchgeschaut und sortiert, Platz schaffen… so mein Plan. Aus einem kleinen Schränkchen ziehe ich die Schubkästen heraus und leere den Inhalt auf den Tisch. Was hat sich denn da auf dem Boden des einen verklemmt? Ein Zettel mit dem Hinweis:
„Nur echt mit Macke“ und der Erklärung, warum dieses Möbelstück so aussieht, wie es aussieht. Eben nicht ganz gleich seinem Bruder, welcher in der anderen Ecke des Raumes steht. Beide sind aus altem Holz hergestellt und dieses hat schon so einige ganz charmante Macken, Risse, Kratzer und Riefen. Ich lächele und streichele mit den Fingern darüber. Für mich macht es diese Unperfektion und Einmaligkeit zu etwas Wunderschönem mit einer Geschichte.
Doch wie schaut es aus in unserer Welt? Muss es immer perfekt sein? Und was heißt eigentlich perfekt? Wie viel Optimierung brauchen wir? Meiner Meinung nach dürfen auch wir ein wenig unperfekter sein, darin die Einzigartigkeit sehen und uns damit zeigen. Doch nicht nur in uns oder Gegenständen, nein auch in unseren Pferden und überhaupt. Ich sage raus aus dem Optimierungsdruck. Können wir uns und andere annehmen, wie sie sind? Wir alle wollen im Grunde mit all unseren Besonderheiten und „Macken“ geliebt werden. Sie entstehen ja nicht ohne Grund. Wenn wir das schaffen, das Annehmen als ersten Schritt, dann können sich viele Türen öffnen und Verbindung wird möglich. Die Pferde zeigen es. Sie nehmen uns an.
Wer bist du wirklich in deiner unperfekten Vollkommenheit? …nur echt mit „ Macke“
© Katrin Ohlendorf 2026-01-02