Dienstag
„Wie hast du geschlafen?“. Mein Blick ging zu Mathieu. Die Fahrt zur Kinderwunschklinik verlief mehr als schweigend. Wir hatten kaum ein Wort gewechselt. Nicht weil wir nicht wollten, eher weil wir nicht wussten worüber. Die üblichen Themen hatten wir schon abgegrast. „Ganz okay“. Das schien wie eine Untertreibung der ganz dezenten Art und Weise aber ich wollte es nicht vertiefen. Wozu? Wir beide wussten die Wahrheit. Schlaf gehörte zu den Dingen, von denen ich in letzter Zeit nicht wirklich viel bekam. An sich war ich es gewohnt schlaflose Phasen zu haben aber wenn man an der Schwelle zum Tod stand, bekam diese Phase ein ganz neues Gewicht. Noch immer fühlte es sich sureal an, falsch. Und das, obwohl wir uns mitten der Horrorwoche befanden. Und sie brachte eine Realitätsklatsche nach der anderen mit sich. Dabei hatten wir noch nicht einmal Freitag. „Willst du darüber reden?“. Ich schüttelte den Kopf. Selbst wenn wüsste ich nicht, wo ich anfangen sollte. Einen Anfang und ein Ende gab es in diesem ganzen Chaos nicht. Ein Chaos, welches sich mein Leben nannte. Vor uns baute sich das Gebäude der Geburts und Kinderwunschlinik auf. Na toll. An der Rezeption verweiste man uns in den Warteraum. Warten, was auch sonst. Ich sah mich in dem kahlen und kühlen Flur um. Sie hatten versucht es ein wenig einladend und nett zu gestalten. Aber am Ende des Tages war es noch immer ein Krankenhaus, eine Klinik. Mit uns saßen zwei Pärchen und eine ältere Dame im Wartebereich. Was ihre Geschichten wohl waren? Waren sie schwanger? Wollten sie es werden? Klappte es nicht und sie mussten andere Möglichkeiten in Anspruch nehmen? Waren sie krank wie ich? Wie auch immer ihre Geschichten aussahen, ich wünschte mir, dass wir nicht aus dem selben Grund hier waren.
„Frau Weindel“. Eine brunette Ärztin stand im Türrahmen. Wenn ich ihr Alter schätzen müsste, worin ich gnadenlos schlecht war hätte ich sie in die Sparte wie meinen Bruder gepackt. Wir nahmen ihr gegenüber Platz und warteten. Wir befanden uns in einem sterilen Untersuchungszimmer. Rechts von uns befand sich der Stuhl, den ich von meiner Frauenärztin kannte, eine kleine Schrankwand. Hinter ihr befand sich eine Tür, durch welche Stimmengewirr dran und man sah ab und zu Sillouetten vorbei gehen. Sie tippte etwas in den Computer, öffnete die Akte.
© Matea Weindel 2023-06-16