Nachdem ich die letzten 5 Jahre gemeinsam mit meinem Neuen Lebensgefährten Eduard auf alle privaten Annehmlichkeiten verzichtet habe, damit wir unseren Traum, unsere eigene Bioimkerei aufzubauen verwirklichen konnten, war mein grösster Wunsch meinen 60. Geburtstag im Casino Velden zu feiern. Unsere Patchworkfamilie und eine Handvoll Herzensfreunde wollte ich einladen, mehr sollten es nicht werden, denn mein 60er sollte endlich Mal ein Geburtstag werden ohne Oberflächlichkeiten und Gästen die nur aus Verpflichtung und nicht wegen mir kommen würden, wie ich es zuvor Jahrzehntelang erlebt habe.
Mein Sohn Pascal, denn ich durch meine Übersiedelung von Wien nach Kärnten nur mehr sehr selten sehe, hatte sich von seinem Chef zusätzliche Urlaubstage dafür erbeten. Eduard Sohn Christoph und Schwiegertochter Isabella waren ebenfalls bereits informiert. Eduards Grenzeinsatz beim Bundesheer endet genau an meinem Geburtstag. Die Hand voll Freunde waren auch schon eingeladen. Und ich schwelgte in Vorfreude.
Und dann kam Corona! Und all meine wundervollen Pläne für meinen Geburtstag zerplatzten mit dem Wind, der dieses Virus bis zu uns ins hinteste Dorf von Unterkärnten trug. Plötzlich wurden wir nicht nur geschäftlich durchgerüttelt, sonder auch als Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Da war plötzlich etwas, dass wir nicht greifen konnten, etwas was uns bedroht, etwas das uns ans Leben wollte. Auch an mein Leben, dass voll schöner Momente, aber auch voll der Mühen war, die ich immer wieder auf mich genommen hatte um mir als Kind sehr armer Eltern, ein gutes Leben in materieller Sicherheit aufzubauen. Und nun auf einen Schlag war diese Sicherheit bedroht. Ein Vakuum machte sich in meinem Kopf breit. Eine Leere dort, wo gestern noch Pläne, Vorfreude und schöne Bilder zu meinem bevorstehenden Geburtstag sassen. Oder hat mich plötzlich eine Schockstarre befallen? Ich weiss es nicht, weiss überhaupt nicht mehr was ich denken oder fühlen soll. Ich weiss nur eines , so muss sich Krieg anfühlen. So hat es meine Oma erzählt, als ich selbst noch ein Kleinkind war und ängstlich ihren vielen Geschichten von Hunger, Not und Tot gelauscht habe.
Als ich so versunken in meinen triesten Gedanken vor mich hinsenierte, kahm die Postfrau und legte mir ein grosses Kuvert vor die Türe, dass ich sofort an mich nahm und öffnete. Was ich sahen, liess mir die Tränen in die Augen schiessen. Ich hielt Post von meinen Enkerl in Händen. Eine Zeichung von Klein Pauli für Oma. Eine Zeichnung von Klein Mia für Oma. Und ein Brief in dem mir meine Enkerl alles Gute zum Geburtstag wünschten. Im selben Moment in dem ich diesen Brief las, verspürte ich keine Angst mehr, waren Kummer und Sorgen auf einmal verflogen und machten einem unsagbar schönen, warmen Gefühl Platz. Ich las sie immer wieder, diese 6 Worte, die in mir wieder Stärke, Zuversicht und Hoffnung auslösten, diese 6 Worte, die stärker sind als alle Viren dieser Welt:
Liebe Oma wir haben Dich lieb!
© Gabriele Prosser 2020-04-08