Schmerz

Sandra Scheiber

by Sandra Scheiber

Story
Wien 2023


Stille. Dunkelheit. Nichts. Romy wusste nicht, wie lange sie schon hier sitzt. Zwei Stunden? Vielleicht waren es aber auch schon fünf? Sie konnte sich nicht erinnern. Weder wie sie hierhergekommen war noch, warum sie hier sitzt. Doch es half. Zumindest für den Augenblick.


Hier konnte sie sich entspannen und ihre Gedanken neu ordnen. Das Wasser wirkte schon immer beruhigend auf sie. Schon als Kind war Romy wie hypnotisiert vom Wasser. Leider musste sie schon früh schwierige Zeiten meistern und die Präsenz von Wasser, sei es nur ein kleines Bächlein irgendwo in einem Wald, half ihr stets, wieder ruhig und entspannt zu werden und ihre Gedanken zu ordnen.


Hier saß sie nun. An der Donau. Mit einer Zigarette in der Hand, oder waren es schon mehr? Auch das konnte Romy nicht mehr genau sagen. Lediglich die Zigarettenstummel ließen darauf schließen, dass sie wohl doch schon einige Zeit hier verweilte. In den letzten Stunden passierte alles wie automatisiert. Viel zu oft in letzter Zeit, war dieser Tag alles andere als schön und sie verspürte erneut dieses flaue, unangenehme Gefühl in ihr, welches ihr stets mitteilte, sobald alles zu viel wurde, und Romy drohte im Chaos zu versinken.

Ihr Blick beharrte auf einem Punkt in der Ferne. Sie empfand nichts. Gar nichts. Weder Freude noch Trauer. Weder Aufregung noch Ärger. Nur Leere. Und genau diese Leere war es, welche Romy beunruhigte. Schließlich waren selbst die düstersten und traurigsten Gefühle immerhin noch Gefühle. Denn das Gegenteil von Liebe war nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit. Wenn Romy ganz tief in sich hineinfühlte, empfand sie ganz tief in ihr, ein Gefühl, welches ihr Magenschmerzen bereitete – Schmerz.


 


 





 






© Sandra Scheiber 2024-01-20

Genres
Novels & Stories
Moods
Dunkel, Traurig, Sad
Hashtags