Sonnenpark

Christian_Schön

by Christian_Schön

Story

Nach meinem Burnout im September 2018 trete ich im Juli 2019 meine psychische Rehabilitation an. „Sonnenpark“ – der Name klingt zumindest positiv und vielversprechend.

Die Anreise kann ich nun Gott sei dank wieder selbständig mit dem eigenen Auto antreten. PĂĽnktlich treffe ich um 09:00 Uhr ein und bin im ersten Moment enttäuscht. Die Einrichtung wirkt ein wenig in die Jahre gekommen, alles ist eher „klinisch“. Vor allem aber die Patienten kommen mir alle ein wenig „anders“ vor. Gehöre ich hier wirklich dazu? Ich bin ja im eigentlichen Sinn nicht krank sondern habe einfach nur zu viel gearbeitet. Panische Angst macht sich breit. Gleichzeitig bemitleide ich diese armen Menschen, die sich alle etwas “verwirrt” im Foyer bewegen.

Der Aufnahmeprozess zu Beginn ist sehr anstrengend. Es ist Sommer und extrem warm. Ich habe Durst, traue mich aber nicht nach einem Schluck Wasser zu fragen. Nach einem ausführlichen Gespräch und einer ärztlichen Untersuchung kann ich dann endlich mein Einzelzimmer beziehen und mich kurz ausruhen. Hier bin ich dann positiv überrascht. Hinter der klinischen Fassade versteckt sich eine moderne Einrichtung mit schönen Zimmern und vielen Erholungs-möglichkeiten im Grünen.

An den folgenden Tagen bin ich dann extrem angespannt. Zu sehr habe ich mir zum Ziel gesetzt, möglichst viel Inhalt mit nach Hause zu nehmen um wieder 100% gesund werden. Zu sehr möchte ich auf alle möglichst „normal“ wirken, schließlich kann ich mich mit meinen Reha-Kollegen nicht wirklich identifizieren und möchte mich abgrenzen. Dies führt dazu, dass ich gestresst und nervös zu den Therapien eile, um das Programm möglichst effektiv und genau abzuarbeiten. In der Hand den Therapieplan, am Handgelenk meine teure Automatikuhr, benehme ich mich wie in der Arbeit. Auf mein Umfeld wirkt dies eher befremdlich, man nimmt mich als nicht authentisch und extrem unruhig wahr. Leider fallen mir Gespräche noch sehr schwer. Ich möchte zwar so wortgewandt und souverän wie früher wirken, schaffe es aber nicht. Meine Rhetorik ist mir schließlich mit September 2018 abhanden gekommen.

Mein Erst-Gespräch mit meiner Bezugs-Therapeutin verläuft ernüchternd. Ich sage ihr dass ich hier nicht her gehöre. Sie meint, wie ich darauf komme? Ich antworte ihr, dass hier kranke Menschen sind, und ich ja nicht krank sei. Klingt logisch oder? Sie meint, ich sei sehr wohl krank, und ich höre wiederholt eine Ausführung zu Burnout und Depression. Die Therapeutin beschließt, dass nicht die Gesundung mein Reha-Ziel sein wird, sondern erstmal die Akzeptanz meiner Krankheit.

© Christian_Schön 2020-03-21