Spaß und Verderben in Berlin

Alicja Pawel

by Alicja Pawel

Story
2015 – 2018

“Nur noch eine Stunde”, denkt sich Mia. “Dann gehe ich Heim.” Der laute Bass wimmert in ihrem kaum noch funktionierenden Gehirn. Die Bar, ja die Bar wäre jetzt gut! Irgendein Wein, egal was. Hauptsache Alkohol. Dieser sollte Mia etwas von ihrem letzten Drogenmix runterholen. Wie der Pinball in der Spielebox der 80er versucht sie zur Bar zu gelangen. Dank der vielen tanzenden, nasstriefenden Gestalten fällt sie nicht um. Bäm und bäm knallt Mia von einem gegen den anderen und die Bar kommt immer näher. Niemanden stört es, von Mia angerämpelt zu werden. Sie bemerken es nicht einmal! Die meisten haben nach vielen Stunden Aufenthalt einen ähnlichen Zustand erreicht und bewegen sich minimal zum lauten Technobeat. “Wein, ein Glas!” Mia hat es geschafft und sogar das bestellen hat geklappt. Jetzt nur noch bezahlen! Sie versucht ihr loses Geld in ihrer kleinen Tasche zu ertasten und freut sich über den Schein. Yes! Sie wirft ihn auf den Tresen und vergisst, auf das Rückgeld zu warten. Mia, die lustige Mia, torkelt zu den Tanzenden und versucht sich im Takt zu bewegen. Ein breites Grinsen im Gesicht, denn sie verspürt so viel Glück. Ein nasstriefender Mann mit freiem Oberkörper tanzt im ähnlichen Gemütszustand neben Mia und grinst sie an. Sie grinst eh schon die ganze Zeit. Er nimmt ihre Hand und geht los. Sie weiß genau, was jetzt passiert und folgt ihm. Pinball! Bäm und bäam durch die Menge. Niemanden interessiert das. “Wie schön diese Nacht doch ist!” Denkt sie sich und hat ganz vergessen, dass der Tag schon lange begonnen hat. Sonntag 11 Uhr. Aus der einen Stunde sind einpaar mehr geworden. “Egal, nur noch einmal Vögeln, dann gehe ich!” Sie gehen Richtung Toiletten und Mia ext den Wein. Das Glas lässt sie fallen. Überall Grafittis an den Wänden und halb abgerissene Aufkleber mit sinnvollen Sprüchen. Ganz groß auf der dunklen Wand “Wie nennt man Sex mit Gegenständen? DINGSBUMS!” Mia muss schmunzeln. Zum Glück ist eine Kabine frei. Sie stürmen rein, lassen die Tür offen und fallen übereinander her. Es gibt Zuschauer, die das ganze noch etwas spannender machen. Ganz in Trance, ohne Sinn, Verstand und Zeit segelt Mia durch den restlichen Tag.

Augen auf! “Ich bin im Bett, Zuhause! Ich habe meine Sachen noch an…. Meine Schminke nicht abgewaschen und fuck, Zähne nicht geputzt.” Mia hasst sich! Sie ist traurig und aufgewühlt . “Wie bin ich Heim gekommen? Wo ist meine Tasche? Und…. habe ich verhütet? Ich hatte doch Sex oder? Ja, ich glaube … ja!” Ihr Körper streikt und schreit nach Wasser. In der Küche bemerkt sie zwei Weingläser. “Shit war noch jemand hier?” Mias Erinnerung ist vollkommen ausgelöscht. Alles dreht sich. Es ist dunkel draussen. Mia Legt sich hin und will weinen. “Warum mache ich das nur!” Sie hasst sich selber dafür und verspricht sich nie wieder Drogen zu nehmen oder zu trinken. “Dieses Mal werde ich es schaffen! Jetzt aber wirklich!”

© Alicja Pawel 2022-01-23

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