Als es zum ersten Mal an der TĂĽr klingelte, war es kurz nach drei.
Ich saĂź im Wohnzimmer auf der Couch, die noch zu neu war, um bequem zu sein und wartete darauf, dass MĂĽdigkeit meinen kraftlosen Körper einnimmt – vergebens. FĂĽr meinen Mann schien der Umzug in eine neue Wohnung, in eine neue Stadt, kein Problem zu sein. Er schlief tief und fest, als ob er hier geboren wurde. Ich habe neben ihm gelegen, an die Decke gestarrt und Schäfchen gezählt; ich war in die KĂĽche gegangen und habe warme Milch getrunken; im Wohnzimmer las ich ein Buch, dessen Titel ich sofort vergaĂź. Ich blieb wach. Ich war wie diese Stadt geworden. Die Stadt, die niemals schlief. Dies ist nun die dritte Nacht in der Wohnung und die dritte, an der mich der Schlaf nicht fand. In mir fand ein BĂĽrgerkrieg statt: Mein Körper boykottierte meinen Geist; sie zehrten aneinander und ich beobachtete sie nur, verstand noch nicht, dass ich inmitten des Chaos stand.
Die Wohnung erlag der stechenden Sommersonne. Selbst nachts kühlte sie nicht ab. Klebrige Hitze schnürte meine Kehle zu. Ich hörte die Lebendigkeit auf den Straßen. Autos hupten, Betrunkene schrien, eine Gruppe von Frauen lachte. Ich freute mich, dass zumindest sie diese Nacht Spaß hatten und war neidisch, dass ich nicht eine von ihnen war. Die Luft war zu stickig, die Straßen zu hell und meine Gedanken zu laut. Ich konnte nicht schlafen.
Die Türklingel riss mich aus meinen Gedanken. Es war eine schöne Melodie – heiter und froh und jung. Sie dauerte ein ganzes Weilchen an – länger als sie sollte – aber sie war wunderschön und deswegen störte ich mich nicht weiter daran. Der Stadtlärm verließ mein Bewusstsein. Ich kam zur Ruhe.
Meine Gliedmaßen waren steif vom Sitzen. Mit benebeltem Verstand tastete ich mich im Dunkeln den Wänden entlang. Meine Füße streiften den staubigen Boden und meine Finger die Rillen der rauen Tapete. Meine freie Hand traf auf die glatte, kühle Oberfläche der Haustür. Der Gedanke, es könne nur der Teufel sein, der mich zu dieser gottverlassenen Stunde besuchte, belustigte mich eher, als dass er mir Angst einjagte. Ich schob die Abdeckung des Gucklochs zur Seite und schaute in das Treppenhaus.
© Souhaila El Mayati 2022-07-21