Verloren

by Petra Stoppacher

Es wären noch „Wunder“, wenn das Wort nicht eben der Weisheitszahn wäre, den sie einem genommen haben.

Es wären auch viele liebgewonnene Schätze, wäre nicht das Licht immer gar so schnell entwichen.

Gestern am späten Abend am Bahnsteig ist mir ein „Greyback“ begegnet.

Warum sage ich so? Naja, Fangirl halt. Die Blicke, die wir erst austauschten waren meinerseits müde-gleichgültig, von seiner Seite aber überaus dürstend.

Er redete mich auf irgendetwas sehr Schwammhaftes an, vor allem aber wollte er unterschwellig ganz klar, dass ich mein Leben genauso unwichtig nehme wie er offenbar seins (= Aufriss ohne jegliche schöne Facette).

Nachdem ich wie üblich beim Einstieg darauf achtete, dass die „Anna Karenina“ in meinem Kopf sich nicht auf die Gleise warf, belästigte er mich wieder, und die Aufrissambitionen bewahrheiteten sich nochmals: Er wolle mit mir „Fernsehen schauen“, ich meinte, das interessiere mich nicht die Bohne. Ich wollte gerne, dass er mir sagen könne, ober irgendeine Schönheit im Leben – und sei es auch vielleicht rein materiell, im Handeln – auch habe, ob es etwas gäbe, was ihn zu konstruktiver Tätigkeit animieren könne?!

Aber nein, hatte er nicht gebucht.

Er war eindeutig mehr auf Beutefang.

Ich hatte ja schon gesagt, dass ich jünger wäre. Die noch jüngeren im Zug bauten teils schöne Brücken zwischen ihren nebeneinander Platz gefunden habenden Wesenheiten. Aber ich bin sicher, dass in jedem auch Greyback steckt, schlummernd und hoffentlich immer betäubt. Gefahr lauert, wenn sie die Brücken zu schwach bauen. Oder eben andere Brücken in Brand setzen. Worte, Gesten, Geschenke, alle Arten von Brücken. Fahren.