by Julian Brüne
Am Anfang ist es immer gut, eine Geschichte zu erzählen. Ich werde das nicht tun, sondern vielmehr von Geschichten erzählen.
Sind Sie nicht magisch, überraschend, verführerisch, einladend, gefährlich, kraftvoll, überzeugend, verbindend, abstoßend, lächerlich, tiefgründig und wahr oder unwahr?
Sind Sie nicht mächtig?
Geschichten.
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Geschichten formen unsere Welt.
Ein Stück Papier ist ein Stück Papier. Aus einem Stück Papier verbunden mit einer Geschichte wird Geld.
Ein Auto ist ein Auto. Aus einem Auto verbunden mit einer Geschichte wird ein Ferrari.
Ein Stück Land ist ein Stück Land. Aus einem Stück Land verbunden mit einer Geschichte werden verschiedene Länder.
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Geschichten formen uns.
Sie bringen uns näher zusammen, schaffen einen Raum, um uns zu verbinden. Inspirieren uns zu neuen Ideen und laden uns in andere Welten ein. Sie erlauben uns, jenseits des Horizonts zu gelangen. Sie befreien uns, schenken Hoffnung, Zuversicht und machen Mut.
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Sie treiben uns auseinander, erzeugen einen Spalt zwischen uns. Säen Hass und Ablehnung, entfachen Wut und Überheblichkeit. Sie verkleinern unsere Welt und unsere Möglichkeiten, sie schließen uns ein, unterdrücken uns und machen uns zu Abhängigen.
Geschichten sind wahr, unwahr, fiktional oder faktisch. Wir geben uns große Mühe, den Unterschied festzustellen und zu propagieren. Aber ist das wirklich wichtig? Die wahre Macht liegt woanders. Nicht in den Geschichten selbst, nicht in ihren Wahrheiten und Unwahrheiten, so anziehend und verlockend sie auch sein mögen. Geschichten haben diese beinahe mythische Kraft aus einem einzigen Grund. Wir erzählen uns Geschichten, wir leben in Geschichten, weil wir an sie glauben. Geschichten haben keine Macht, wir geben sie ihnen.
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Geschichten formen uns.
Besonders Geschichten, die wir über uns selbst erzählen.
Und keine sind kraftvoller als jene, die mit „Ich bin“ beginnen.
© Julian Brüne 2022-07-04