Wieso "Frei wie der Wind?"

by Luxbrae

Diese Frage hatte er sich bereits so oft in seiner Zelle gestellt.
Doch nun, wo der Wind an ihm riss, ihn fast selbst in dieser trägen Gestalt einfach davon zog, verstand er es.
Wild und ungebändigt peitschte der Wind, mit dem Donner im Einklang.
Es gab für ihn keine Grenzen, außer der Unendlichkeit bis zum Horizont.

Die menschliche Hülle breitete die Arme aus und der Wind ergriff sie augenblicklich, zog den Mann mit über die Klippe.
Federn sprengten seine Klamotten und seine Gestalt, während diese rasant anwuchs. Es gab kein Halten mehr.
Das Heulen, das er ausstieß, vermischte sich mit dem des Windes
Schon lange ehe der Halbdrache sich vollkommen seiner menschlichen Gestalt entledigt hatte, schoss er mit dem Wind dem endlosen Himmel entgegen.

In seinem Gefängnis war es immer ruhig und still gewesen. Nur die Lebenden waren wild und spien Gift. Trotzdem hatte es Wasser und Wärme immer zur Genüge gegeben. Doch, immer in kontrollierten Portionen.

Der Halbdrache ließ sich vom Wind schnell mitreißen. Treibend und gleichzeitig bestimmend, frei wie ein Tänzer im Chaos.
Immer höher ging es, während die Blitze um ihn herum, hinab in die tobende See fuhren.
Immer höher, den Wolken über ihm entgegen.
Schon längst war die kleine Insel hinter ihm verschwunden. Auch wenn sich 9 unschöne träge Punkte von ihr gelöst hatten und ihn verfolgten.
9 Punkte, die schwer mit den ungebändigten Böen und stürmischen Luftzügen zu kämpfen hatten.
„Kommt und holt mich doch“, lachte der Halbdrache bitter zu sich selbst und schoss weiter. Weiter, und weiter, gemeinsam mit dem Wind immer schneller werdend.
Das Meer unter ihm wandelte sich zu schrumpfendem Land, das Land wurde zu kleiner werdenden Wolken, während er immer höher flog.
Er war der Wind, er war frei, er war nicht mehr an den Bogen gebunden. Er konnte überall sein, wo er wollte.
Doch er wollte nur noch hier oben sein.

Der Wind wurde langsam stiller, fast zog es ihn zurück in den Sturm.
Doch dann sah er die Sterne. Wie sie hoch über ihm in der Schwärze funkelten. Mit ihm frei schwebten.
Die Sterne, von denen seine Ahnen gekommen waren.

Dann sah er den Stern, der ihm direkt entgegenkam. Oder um genau zu sein: der Drachenreiter auf dem Drachen, der wie ein Stern schimmerte.
Gekleidet im Raumanzug, bewaffnet mit einer Torpedokanone.
Der Schmerz flutete von seinem obersten linken Flügel, durch seinen ganzen Körper.

Dann fiel er.
Durch den Wind durch.
Dieser zog ihn noch mal etwas mit, doch er konnte nicht mehr länger mit ihm treiben.
Er war von ihm abgeschnitten.
Erd-gebunden. Und diese kam immer näher.

Hashtags: