Wünschen und Wollen

Ognobe

by Ognobe

Story

Ein Mann lebte in einem hohen Turm mit einer Tür und einem Fenster. Tagein, tagaus beklagte sich der Mann bei den Göttern über seine Gefangenschaft: «Oh ihr Götter, womit habe ich dieses Schicksal verdient? Warum muss ich in Gefangenschaft leben? Warum hilft mir denn niemand?»

Eine der Göttinnen im Himmel, man könnte vielleicht sagen ein besonders junge, eifrige Göttin, hörte das Jammern und Klagen des Mannes und hatte Mitleid. «Hört ihr denn dieses unerträgliche Jammern und Klagen nicht?», fragte sie die anderen Götter. «Wie könnt ihr denn so unbedarft eurem Tagesgeschäft nachgehen? Wie könnt ihr essen trinken schlafen während da unten einer leidet und unsere Hilfe braucht?»

Der anderen Götter und Göttinnen erwiderten: «Wir hören es, wir sehen es, doch der Mann hat uns nicht um unsere Hilfe gebeten. Wir hören kein Gebet, sehen keine Opfergaben und finden auch keinen Altar.» Und so widmeten sie sich wieder ihrem Vergnügen, ihren Tänzen und ihrem göttlichen Dasein. Die junge Göttin schüttelte verständnislos den Kopf und beschloss, hinunterzugehen und dem Mann zu helfen. Die Göttin suchte den Mann in seinem Turm auf und sagte zu ihm: «Du armer Mensch was kann ich für dich tun, um dein Leid zu lindern? Der Mann saß, niedergeschlagen am Boden und erwiderte: «Ich weiß es nicht.» «Sei unbesorgt», sagte da die Göttin «ich werde dich retten. Ich gewähre dir 3 Wünsche. Wünsche, was du willst und es wird erfüllt.» Der Mann dachte kurz nach und sagte dann. «Ich wünsche mir, dass diese Tür aufgeht, sodass ich endlich von hier entkommen kann.» Der Mann sprach es und die Göttin gewährte ihm den Wunsch. Die Türe öffnete sich sperrangelweit.

Der Mann tat ein paar Schritte Richtung Tür, doch dann zögerte er. Er sagte: «Ich kann nicht einfach gehen, man wird mich gewiss verfolgen, ich kann nicht schnell genug laufen. Ich wünsche mir, dass ich davonfliegen könnte». Augenblicklich gewährte ihm die Göttin auch diesen Wunsch. Dem Mann wuchsen zwei prächtige Flüge. Er trat ans Fenster, blickte nach unten und doch erneut zögerte er. «Ich kann nicht springen, man würde mich von hier niemals fortgehen lassen, man würde mich suchen und finden. Ich wünsche mir, dass du den Herrn dieser Burg aufsuchst und ihn davon überzeugst mich gehen zu lassen.»

Die Göttin begab sich sogleich in die Burg, fand einen Angestellten fragte nach dem Herrn der Burg, sie wolle ihn gerne bitten, den Mann im Turm freizulassen. Der Angestellte antwortete erstaunt: Gute Göttin, der Mann im Turm selbst ist der Herr der Burg. Er hat sich eines Tages ohne ersichtlichen Grund in den Turm zurückgezogen und weigert sich seither, wieder hinunterzukommen.»

Als Lisa den Brief zu Ende gelesen hat, folgt sie ihren Impulsen, gießt sich ein Glas Wein ein, dreht die Musik auf und tanzt wie eine griechische Göttin ausgelassen durch die Wohnung.

© Ognobe 2022-08-31

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