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#bauchgefühl

_unwissentlich_

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_unwissentlich_ | story.one

Wie Schmetterlinge fallen die Blätter von den filigranen Ästen der zeitüberdauernden Bäume. Losgelassen glauben wir sie verloren, tanzen sie ein letztes Mal lebendig im Wind.

Doch wenn wir uns umdrehen und hinsehen erkennen wir den farbenprächtigen Teppich, welchen sie uns ausgebreitet hinterlassen. Uns einen Weg ebnen in einen neuen Abschnitt. Dem Kreislauf bewusst, dass Veränderung und Wachstum eins mit der Vergänglichkeit sind.

Und so scheint der Herbst im warmen Licht der Sonne seinen Trost zu finden. Hinterlässt uns das Gefühl, dass Nichts ewig währt, außer Alles. Berührung und Lebendigkeit ausschließlich im Herzen stattfinden und keinerlei Scheu haben einfach zu sein, unentwegt.

In seinem Überdauern macht der goldene Verlust Gebrauch vom Urvertrauen. Erzählt davon, dass eine Erinnerung in Dankbarkeit getränkte Sehnsucht ist, fern jedweder Zweifel real gewesen zu sein.

Und während ins Bewusstsein gerufene Tränen der Angst von der Brücke fallend mit dem Fluss in unbekannte Ferne verschwinden tauche ich in eine Umarmung mit den Wunden der Zeit. Liegt Sokrates in meinen Gedanken als ich verloren die Augen schließe - "... im Weggehen überlegte ich bei mir selber, dass ich wissender sei als jener Mensch. Denn keiner von uns beiden scheint etwas Gutes und Rechtes zu wissen; jener aber meint zu wissen und weiß doch nicht; ich jedoch, der ich nicht weiß, glaube auch nicht zu wissen; ich scheine somit um ein Geringes wissender zu sein als er, weil ich nicht meine zu wissen, was ich nicht weiß." [" Die philosophische Hintertreppe" - Wilhelm Weischedel]

So glauben wir zu wissen und tun es am Ende doch nie. Und beschließe ich anstelle meines Verstandes und meines Blickes einfach mein Herz in eine nebulöse Weite zu öffnen, auch wenn es draußen kälter wird und beginnt zu schneien. Der Wind wild in meinen Haaren spielt und mich die Dunkelheit friert. Im Wissen nichts zu wissen, aber der Intuition folgeleistend, dass mich tief in der inneren Leere irgendwann hoffentlich ein Gefühl findet und wärmt.

© _wortkunstliebe_ 2022-11-10

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