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Ein tragischer Unfall - 2.Teil

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Ein tragischer Unfall - 2.Teil | story.one

Unter uns Schulkolleginnen hat Teresas Unfall größte Betroffenheit ausgelöst und so kamen fast alle, auch einige Professoren zum Begräbnis. Sie wurde in ihrem Brautkleid bestattet in einem Sarg mit Sichtfenster und sie lag dort wie friedlich schlafend. Lange haben wir uns im Gedanken noch mit dieser traurigen Tatsache beschäftigt. Die Kinder kamen in Obhut ihrer im Haus lebenden Großeltern.

Teresas Mann hat 2 Jahre später wieder geheiratet, eine jüngere Frau, die offensichtlich mit den drei Kleinkindern überfordert war. So blieben die Kinder weiterhin bei den Großeltern, die Wochenenden wurden schon gemeinsam verbracht. Mit der zweiten Frau hatte der Vater auch einen Sohn. Ich habe mich bei Teresas Eltern öfters über die Kinder informiert.

54 Jahre später! Zu meinem 80. Geburtstag überbringt mir ein Herr im Auftrag der Gemeine einen Geschenkskorb und Glückwünsche. Er stellt sich vor als Dr. P., ich fragte ihn, ob er vielleicht der Sohn von Dr. Roman P. sei, und er war der Sohn von Teresas Mann. Ich erzähle ihm, dass ich eine Freundin Teresas war. er berichtete von seiner Familie. Er lebe seit einigen Jahren in unserer Gemeinde, sein Vater sei vor 2 Jahren gestorben. Von seinen Halbgeschwistern ist Manfred mit 50 Jahren tödlich verunglückt, Gertraud ist in Wien verheiratet und hat 2 Kinder, Reingard ist Ärztin und Psychotherapeutin in Graz. Beide Schwestern interessieren sich sehr für das Leben ihrer Mutter.

So lud ich die beiden zu uns ein, und dann noch zweimal mit zwei weiteren Schulkolleginnen. Beide waren höchst erfreut, über ihre Mutter zu plaudern, denn sie hatten kein richtiges Bild von ihrer Persönlichkeit, sowohl der Vater als auch die Großeltern haben sehr wenig über sie erzählt, und Teresas Mutter habe immer geweint, wenn sie gefragt haben. Je älter sie wurden, je mehr habe sie diese Frage beschäftigt. Wir erzählten, dass ihre Mutter ein fröhlicher, positiver, liebenswürdiger Mensch gewesen sei, begeisterungsfähig, Chorsängerin, von kleinen Begebenheiten, von ihren Vorlieben, und auch, wie sehr sie ihre Kinder geliebt hat. Für die beiden war das eine unglaubliche Freude und Dankbarkeit, sie blühten richtig auf. Obwohl sie alles Nötige hatten, so haben doch beide die Liebe ihrer Mutter vermisst. Diese Gespräche waren auch für mich ein schönes Erlebnis, Teresa erwachte wieder zum Leben.

Nun etwas Interessantes: Teresa hat in einem Schulheft “Meine Gedanken” Betrachtungen über gewisse Dinge geschrieben, unter anderem nach einem Friedhofbesuch über den Tod. Sie gab es mir kurz vor der Matura zum Lesen. Einige Jahre danach kam es mir unter, ich vergaß nämlich, es zurückzugeben. Als ich Theresa das letzte Mal besuchte, dachte ich nicht daran, daher wollte ich es ihrer Mutter bringen. Wieder vergaß ich es, Teresas Mutter sagte, ich soll es als Erinnerung behalten. Nun überreichte ich den beiden Töchtern dieses persönliche Heft ihrer Mutter. Ich meine, es war eine höhere Fügung, dass es noch bei mir war.

© Adelinde Barilich 2021-06-11

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