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#discoclub#unterwegsmitfreunden#dönerbox

In die Falle getappt

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In die Falle getappt | story.one

Eine Fliege landet auf meiner Nase. Zumindest fühlt es sich so an. Mein Kopf schmerzt. Ich öffne langsam das rechte Auge. Es ist definitiv zu hell für meinen Zustand. „Wo bin ich überhaupt?“ Ich öffne das zweite Auge und setze mich auf. Mir wird schwindelig, also lege ich mich wieder hin. In Wirklichkeit hat mein Kreislauf schlapp gemacht und ich bin umgekippt. Glücklicherweise zur Seite, so dass ich wieder in der ursprünglichen Situation angekommen war. Ich verweile noch ein paar Minuten in dieser Stellung. Langsam wird mir klar, wo ich mich befinde: „Das ist die Wohnung von Fabi. Wie komme ich denn zu Fabi?“ Ich richte mich wieder auf und bleibe mit Erfolg sitzen. Ich nehme einen tiefen Schluck aus dem Glas, gefüllt mit Wasser, das auf dem Tisch steht. Das Wasser entpuppte sich als Wodka und mein Ofen war wieder für ein paar Minuten aus. Ich bin definitiv bei Fabi. Das war ein typischer Streich von ihm. Ich nehme meine komplette geistige Kraft zusammen und versuche mich zu erinnern. Ich war mit Stefan im Parktheater - der hiesigen Dorfdisco - und Stefan kam auf die glorreiche Idee, einen Jägermeister mit Redbull zu bestellen. Nachdem ich weder Jägermeister noch Redbull vertrage, befand ich mich also später zappelnd auf der Tanzfläche. Das Spielchen ging gefühlt ein paar Stunden so. Es könnte aber auch nur ein Lied gewesen sein. Um meine Erinnerungen hat sich der fiese Mantel des Alkohols gelegt. Ich nehme noch einmal einen Schluck Wasser, weil ich vergessen habe, dass es Wodka ist. Der Geschmack legt aber den Schalter um und die Erinnerungen kommen zurück. Ich war alleine an der Bar, um Getränke zu bestellen. Der Barkeeper spendierte einen Kurzen. Als ich ihn trank, wusste ich sofort, nach was dieser Schnaps schmeckte. Er schmeckte nach ‘an die Garderobe gehen, die Jacke nehmen und gehen'. Der polnische Abgang - ein Klassiker.

Draußen angekommen führte die frische Luft zu einem torkelnden Gang und dem unbezwingbaren Drang nach einem Döner. Ich schleppte meinen Körper zu dem einzigen Laden, der zu dieser Zeit noch aufhatte und Döner verkauft. Während ich schwankend nach meinem Geld suchte, hörte ich eine Stimme sagen: „Stimmt so.“ Da stand Fabi. Er saß die ganze Zeit in der Ecke und beobachtete mich, wie ich minutenlang nach meinem Geld suchte. Wir umarmten uns und bestellten noch zwei Bier zu unserem Essen. Nachdem wir fertig gegessen hatten, wollte ich nach Hause. Fabi meinte, das sei zu weit für mich und dazu auch noch mein Zustand, also gingen wir zu ihm und hier bin ich nun.

Fabi wohnt übrigens in der Wohnung gegenüber. Er saß den ganzen Abend alleine zu Hause und langweilte sich. Nachdem er Hunger bekam, begab er sich zur einzigen zugänglichen Nahrungsquelle, dem Dönerladen. Er wusste sofort, dass er mir sein Markenzeichen auftischen kann, als er mich den Wo-ist-mein-Geld-Tanz aufführen sah. Ich bin ihm direkt in die Wodka-Falle getappt.

© Alexander Heller 2021-10-14

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