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#freundschaft#neubeginn#love

Daydreaming

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Daydreaming | story.one

Die Art wie er mich ansah und der Fakt, dass Cody ausgesprochen attraktiv war - sein selbstsicheres Lächeln schien zu bestätigen, dass er das nur zu gut wusste - ließen mich stottern, nachdem er gefragt hatte, wie es mich nach Rosefield verschlagen hatte: “Meine Tante wohnt hier… und ich wollte nach meinem Realschulabschluss noch weiter auf eine Schule gehen… Dann hat sich das irgendwie… so ergeben.”

“Alles klar”, schmunzelte er daraufhin. Meine Unsicherheit schien ihn wohl zu belustigen. “Und in welche Klasse gehst du?”, fragte ich ihn, um ihm und mir selbst zu beweisen, dass ich fähig war ein Gespräch zu führen ohne dabei zu wirken wie ein eingeschüchtertes Mädchen, das keine vollständigen Sätze formulieren konnte. Seine Augen weiteten sich ein Stück und er schluckte anscheinend mein selbstsicheres Auftreten. Gerade als er zu einer Antwort ansetzen wollte, kam Alex ihm zuvor: “Er ist in deiner Jahrgangsstufe, weil er die zehnte wiederholt.” Sie zwinkerte mir vielversprechend zu. Hastig erklärte Cody, er hätte letztes Schuljahr aus privaten Gründen Schulstoff verpasst, der für die elfte Klasse relevant und demzufolge für ihn nachzuholen wäre. Mich hätte es gereizt, zu erfahren, was diese Gründe waren. Die Bezeichnung dieser als "privat" ließ mich aber vermuten, dass er diesbezüglich ganz bewusst auf Distanz gegangen war. Also sprach ich das Thema nicht weiter an.

Viel zu schnell vergingen die nächsten zehn Minuten, in denen er hauptsächlich mit Alex in ein Gespräch vertieft war und ich mehr oder weniger nichtstuend danebenstand. Während dieser Zeit konnte ich ihn aus unmittelbarer Nähe mustern, was ich überaus gerne tat. Seine Arme waren stark, muskulös und bewegten sich geschmeidig, als er sich angeregt mit Alex über irgendwelche neuen Trainingsmethoden des Coaches unterhielt. Unwillkürlich begann ich zu rätseln, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sie eng um meine Taille geschlungen wären. Verträumt starrte ich ihn an, was leicht auffällig gewesen sein musste, da Alex mich plötzlich verstohlen am Arm zwickte. Mit einem Mal realisierte ich, dass sie beide mich ziemlich komisch anschauten. Verwirrt von dieser Überkonzentration Blickkontakt blinzelte ich mehrmals, um wieder klare Gedanken zu fassen.

“Alles okay?”, fragte Cody mit einer Miene, die ich nicht zuordnen konnte. Machte er sich über mich lustig oder war er ernsthaft besorgt? “Ja, sorry, ich war nur… abgelenkt”, bastelte ich eine möglichst sinnvolle Antwort aus den vielen Worten, von denen jedes einzelne wie ein winziges Sandkorn in einem alles mitreißenden Wirbelsturm in meinem Kopf herumschwirrte.

“Emily, ich muss dir unbedingt noch die Mensa zeigen! Da gibt's das beste Essen! Kommst du mit?”, fragte Alex mich schnell. Ich nickte nur energisch. Und schon hatten wir uns von Cody verabschiedet und marschierten zurück zum Hauptgebäude, wodurch ich dieser unangenehmen Situation entfloh. Noch immer wusste ich nicht, was das eben gewesen war.

© Ann-Sophie F. 2021-07-22

Alles Schule oder was

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