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#emotionen#poesie#√ľberw√§ltigend

Auf der Veranda

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Auf der Veranda | story.one

Auf der Veranda. So ein Klischee, jedoch k√∂nnte ich nicht zufriedener sein. Ich bin mal wieder am Schreiben. Nur am Schreiben. Ich denke schon gar nicht mehr. Ich schreibe es nur auf. Sch√ľtte es fast schon aus mir heraus. Nicht denken. Nur f√ľhlen. Eine Welle erfasst meinen K√∂rper. Wieso ist es eine Welle? Haben wir schon alle Metaphern dieser Welt aufgebraucht? Wieso ist es nicht der Mond? Der Mond erfasst meinen K√∂rper, saugt alles aus ihm heraus, mein K√∂rper ist Ebbe, der Stift die Flut. Ich sehe ihn vor mir, den Mond, in dieser Mittagssonne. Er bewegt sich so langsam. Ich muss alles aufschreiben. Alles niederschreiben. Wo ist der Unterschied? Der Verstand kennt keinen Rhythmus, so wie auch das Chaos keinen Rhythmus kennt. Das ist zu abstrakt. ‚ÄúWieso schreibst du immer so abstrakt? Man k√∂nnte dich echt als pr√§tenti√∂s bezeichnen. Poesie ist die Ausrede derjenigen, die zu viel f√ľhlen, jedoch nicht das Talent besitzen, es in verst√§ndliche Worte zu fassen. "Ha, ja, so k√∂nnte man das auch beschreiben. Vielleicht hat er ja recht. Wer versteht mich schon?

Wolken ziehen auf. Zufriedenheit weicht der Manie. Wieso geht alles Hand in Hand? Sp√ľrt er nicht meine Texte, so wie ich das ganze Universum in meinen Adern sp√ľre? Wie geht das √ľberhaupt, ohne zu zerplatzen? Das Gef√ľhl, dass die ganze menschliche Vergangenheit durch mein Blut rauscht, in mein Herz gepumpt wird. Alle √Ąngste und Tr√§ume, die einmal waren. Alle Hoffnung. Vorbei und durch andere ersetzt. Ich bin hier. Ich atme Strahlen. Werde ich mich in Staub verwandeln? Wen k√ľmmert das schon? Thoreau sagte einst: ‚ÄúAls k√∂nne man die Zeit totschlagen, ohne die Ewigkeit zu verletzen.‚ÄĚ

Ich sitze auf der Veranda, lege den Kopf in den Nacken und sp√ľre, wie sich die Luft aufl√§dt, die ersten Tropfen fallen. Es galt eine Ewigkeit totzuschlagen, aber nun bin ich hier.

© Anna Radonic 2021-04-17

POESIE eines Moments

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