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#regen#kindheit#oma

Die bunte Alte und die tanzende Kleine

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Die bunte Alte und die tanzende Kleine | story.one

Die ersten paar Tropfen machten sich bemerkbar. Zuerst bemerkte sie das Meer, das mit seiner Oberfläche seine Verwandten willkommen hieß. Als Nächstes merkten es die Möwen, die noch einige faule Runden über der Bucht zogen. Danach bemerkten es die Badegäste, die zügig zu ihren Sonnenschirmen eilten, als würden die Tropfen deren eigentliche Bestimmung entehren.

Obwohl sich der Himmel schon Stunden vorher zugezogen hatte, wagte man noch zu hoffen. Hoffnung war generell etwas, das nur im Sommer greifbar schien.

Bis auf sie. Mit ihrer kleinen sehnigen Hand packte sie die meine und ich sah nur noch bunte Streifen, die sich mit jedem Schritt dunkler färbten. Ehe ich mich versah, tanzten Funken und bunte Stoffreihen einen wilden Tango mit den herabfallenden Tropfen und ich tanzte mit. Mit jedem Grollen jubelte sie und ich vergaß, dass ich Donner verabscheute und jubelte mit. Es bildeten sich Pfützen, die das graue Gras im Garten noch nicht aufgegeben hatten. Die Badegäste, die es geschafft hatten, die Würde ihrer Sonnenschirme zu erhalten, eilten an uns vorbei und wunderten sich über die bunte Alte und die tanzende Kleine. Sie wussten nicht, wer zu tanzen begonnen hatte.

Aber ich wusste es.

Und ich würde meine Großmutter nie vergessen.

© Anna Radonic 2021-04-11

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