skip to main content

#lebensfreude#gesellschaft#arbeitsleben

Gut

  • 113
Gut | story.one

Niemand hat dir versprochen, dass du glĂŒcklich wirst. Nicht mal deine Mutter, die gesagt hat, dass alles gut wird, als sie dich in den Arm nahm und deine TrĂ€nen wegwischte.

„Alles gut“ bedeutet gar nichts. Definiere alles, definiere gut. Alles kann das Universum sein, aber auch nichts. Gut kann die Note zwei sein, aber auch ein langweiliges Leben in der Vorstadt eines Industriegebiets, denn dort fließt das Geld und man wĂ€gt sich in falscher Sicherheit. Ist GlĂŒck gleich Sicherheit und Sicherheit eine Illusion? Schon als Kind wird einem gesagt, dass alles gut wird. Mit sechs Jahren beschĂ€ftigt man sich schon damit, was man werden will und wie man das Leben so verbringen möchte, dass alles gut wird. Als Kind findet man aber meistens schon alles gut, außer vielleicht Brokkoli, denn die Geschmacksknospen sind noch nicht ganz ausgereift und nur Brokkoli schmeckt bitter. Irgendwann wird Brokkoli vielleicht lecker und das Leben drumherum nimmt einen bitteren Geschmack an, aber gut ist es nicht mehr, da die Hirnknospen ausgereift sind. Das menschliche Gehirn kommt um Definitionen nicht drumrum.

Definitionen. Wie GlĂŒhwĂŒrmchen in einem schwarzen Wald schaffen sie die Illusion einer Kontur. Wer hinterfragt schon Licht, wenn das einzige Ziel ist, der Dunkelheit zu entkommen? Auch die Motte fliegt der Lampe entgegen, denn wer ist sie, die Lichtquelle zu hinterfragen? GefĂ€hrlich lebt die Motte, gefĂ€hrlich lebt der Mensch. Er hangelt sich von Definition zu Definition, möchte eine universale Wahrheit erschaffen, das Universum hineinpressen. Er kann sich nicht eingestehen, dass Universen nicht in irgendwelche Wörter passen, geschweige denn in das Wort „gut“. Schwarze Löcher biegen die Zeit, die Menschen die RealitĂ€t und doch bleibt nur Ersteres ein großes Mysterium. Die Menschheit wurde lĂ€ngst durchschaut.

Erst in unbedeutenden SommernĂ€chten finde ich zu genau diesem Universum zurĂŒck.

Sommer /ˈzɔmɐ, SĂłmmer/ - Jahreszeit zwischen FrĂŒhling und Herbst.

Nacht /NĂĄcht/ - Zeit der Dunkelheit zwischen Abend und Morgen.

Doch was, wenn die Nacht schon am Morgen beim Aufwachen anbricht und ein warmer Sommertag wie ein kalter Schauer ĂŒber einen hereinbricht? Dann schließe ich noch einmal kurz die Augen und lasse mir von der Person neben mir ins Ohr flĂŒstern: “Es wird alles gut.”

© Anna Radonic 2021-10-05

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂŒber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.