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#nachbarschaft#nachbarn#fortsetzung

Vorstadtleben 105 (fiktiv)

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Vorstadtleben 105 (fiktiv) | story.one

Tagelang geht es so. Die Hausfrau verlässt das Haus nicht. Ihr Telefon ist aus und sie funktioniert nur. Sie kocht und wäscht für ihre Kinder und weiß noch immer nicht, wie es weitergehen soll. Dank ihrer Überwachungskamera, die noch immer keiner bei der Polizei vermisst, sieht sie, wer an ihre Tür klopft, wobei sie die Haustür ohnehin nicht öffnen würde.

Ihre Kinder meistern die Situation besser als sie. Ihre Tochter bemüht sich, ihre Mutter davon zu überzeugen, mit ihrem Mann zu sprechen. Doch noch ist die Hausfrau nicht bereit, auch nur ein Wort mit ihm zu wechseln. Sie versucht noch immer ihre Gefühle und Gedanken zu ordnen. Nie hätte sie gedacht, dass sie sich einmal in dieser Situation wiederfinden würde. Hatte sie Angst davor, als sie das von der Affäre der Nachbarn erfuhr, ja. Aber wirklich daran geglaubt hatte sie nicht.

Es klingelt an der Tür. Ein Blick auf das Tablet verrät ihr, dass es der Adonis ist. Er klopft, als sie nicht öffnet, gegen die Tür. „Ich weiß, dass du da bist,“ sagt er durch die geschlossene Tür. „Ich werde so lange warten, bis du die Tür öffnest.“ Da sie nicht reagiert, klopft er weiter. „Ich habe den ganzen Tag Zeit,“ sagt er. „Ich weiß nur nicht, was die Nachbarn davon halten, wenn sie mich hier den ganzen Tag sehen.“

Die Nachbarn, daran hatte die Hausfrau noch gar nicht gedacht. Was würden die Nachbarn denken. Haben sie mitbekommen, was passiert ist? Vorsichtig öffnet sie die Tür. „Du siehst schrecklich aus,“ sagt er zur Begrüßung und ihr wird erst jetzt bewusst, dass sie weder geschlafen noch gegessen oder geduscht hat, seit sie ihren Mann davongejagt hat. Der Adonis drängt sich an ihr vorbei und geht voraus in das Wohnzimmer. Sie folgt ihm, ohne etwas zu sagen. Er setzt sich auf das Sofa und klopft auf den Platz neben sich. Sie setzt sich und er schließt sie in die Arme. Ohne Vorwarnung oder weiteren Anlass, beginnt die Hausfrau zu weinen. Sie weint und weint. Sie kann ihre Tränen nicht zurückhalten. Das erste Mal, seit sie die Affäre ihres Mannes herausgefunden hat, weint sie. Sie weint über alles, was sie verloren hat und über alles, was sie sich je erträumt hatte.

„Es tut mir leid,“ schnieft sie schließlich.

„Es gibt nichts, was dir leid tun muss,“ sagt er. Sie löst sich etwas von ihm und schaut ihm in die Augen. Sie muss schrecklich aussehen und dennoch kann sie in seinen Augen nur Zuneigung und Verständnis sehen. Er ver- oder beurteilt sie nicht. Die Luft zwischen ihnen scheint zu knistern.

© Aroundtheworld 2021-10-14

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