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#nachbarschaft#nachbarn#fortsetzung

Kapitel 108

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Kapitel 108 | story.one

Sie hat die ganze Nacht durchgearbeitet, aber bei den ersten Sonnenstrahlen hat sie es geschafft. Alle Unterlagen sind sortiert und buchhaltungsmäßig erfasst. Sie hätte ohnehin nicht schlafen können, da konnte sie auch produktiv sein. Sie hält die Hände wärmend an die erste Tasse Kaffee, als sie ihre Kinder aufstehen hört. Obwohl es nicht kalt ist, genießt sie die Wärme der Tasse. Sie genießt noch einen Moment der Ruhe und Zufriedenheit, die sie zum ersten Mal seit Tagen spürt, bevor sie den Tisch für das Frühstück deckt. Gerade, als sie Käse und Wurst aus dem Kühlschrank nehmen möchte, sieht sie, dass Irene mit einem Taxi vorfährt. Neugierig schaut sie aus dem Fenster. Ihr bleibt der Mund offenstehen.

„Was für ein Tuningopfer,“ hört sie ihren Sohn sagen. Sie zuckt zusammen. Sie hatte ihn gar nicht hereinkommen gehört. Zu sehr war sie abgelenkt von Irene bzw. von dem, was aus Irene geworden ist. Selbst auf die Entfernung sieht sie, dass Irene jetzt nicht nur Körbchengröße DD hat, ihre Lippen sehen aus wie Schlauchboote und ihr Make-up sieht aus wie eine schlechte Tätowierung. Als Irene ihr die Rückseite zuwendet, erkennt sie, dass sie sich auch den Hintern hat machen lassen. Ob er nur geliftet oder auch aufgepolstert ist, kann sie auf die Entfernung nicht erkennen. Der Kommentar von ihrem Sohn war gar nicht so verkehrt. Es sieht mehr nach einem Verkehrsunfall als nach einer Schönheitsoperation aus.

Sobald ihre Kinder zur Schule gegangen sind, wird sie diejenige sein, die die Kaffeetasse an ihre Nachbarinnen schickt. Sie überlegt, wie sie es anstellen soll, dass Irene nichts davon erfährt. Oder sie muss eine andere Ausrede finden, warum sie das Treffen einberuft.

„Du denkst an den Gerichtstermin?“ reißt ihre Tochter sie aus den Gedanken.

„Ja, ich hole dich um 14 Uhr von der Schule ab,“ gibt sie zurück.

„Uns,“ sagt ihr Sohn. Die Hausfrau schaut von einem zum anderen, doch keiner ihrer Kinder ist gewillt, ihr mehr zu erzählen. Hoffentlich ist es nichts Schlimmes. Als hätte ihre Tochter ihre Gedanken erraten, versichert ihre Tochter ihr, dass es nichts schlimmes sein wird. „Du wirst dich freuen,“ sagt sie.

© Aroundtheworld 2021-10-16

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