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Der Traum vom Reisen

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Der Traum vom Reisen | story.one

Abgesehen vom beruflichen Pendeln, zwischen den deutschen BundeslĂ€ndern und ein paar Urlauben in angrenzenden Staaten, war ich noch nie wirklich auf Reisen. Einmal Spanien, lange ist’s schon her, die jĂ€hrlichen Ferienlager und die regelmĂ€ĂŸigen Wandertage durch die SĂ€chsische Schweiz, wĂ€hrend meiner Kindheit, schön war’s. Ein Seminar in Kopenhagen, eine Tour nach Grado in Italien, eine Zugfahrt nach Venedig, einmal Zelten auf der Insel RĂŒgen, ein Besuch im EuropĂ€ischen Parlament in Straßburg, das war’s dann schon. Meine Liebste war schon mal in Indien. Cool! Sie erweckte ihn wieder, den Traum vom abenteuerlichen Reisen, er war verbuddelt, doch nicht tot. Wir hatten bereits Wurzeln geschlagen. Auch wenn diese nicht sehr tief ins Erdreich gelangten, so fĂŒhlten sie sich dennoch stark an. Fast wie Beton an den FĂŒĂŸen. Die AusflĂŒge ins Gebirge, Besichtigung der Burgen, Schlösser und Museen, die Seefahrten und Stadttouren. Alles schön, jedoch keine Befriedigung der Reiselust.

Alte und neue Kulturen kennenlernen, fremden Sprachen lauschen, die kulinarische Vielfalt erkunden, verschiedenste Lebensweisen erleben und schĂ€tzen zu lernen. Nicht in einem völlig umsorgten Paket von all-inclusive, mit höchstem Standart und einem perfekt abgestimmten Rahmenprogramm zu meiner Unterhaltung. Keine Animation, keine FĂŒhrungen am Rande der touristischen Zone, welche mir den Blick auf das echte Leben der Einheimischen verwehrt. Nicht zu wissen, wo ich morgen sein werde, wen ich treffen oder kennenlernen dĂŒrfte. Der Durst nach einem echten Abenteuer, dessen Wesen die Unvorhersehbarkeit ist.

Aber da waren jetzt vier Kinder, das ging doch nicht. Von allen Seiten nĂ€herte ich mich dieser mentalen Barriere, AbwĂ€gungen ĂŒber dieZumutbarkeit einer Reise in das Ungewisse, Gedanken an Verantwortungsbewusstsein und FĂŒrsorgepflichten ĂŒberschatteten das Gestatten dieser Möglichkeit.

Gestatten?

Das Gestatten setzt voraus, das Jemand mit dem Erteilen einer Erlaubnis betraut sein mĂŒsste, was gleichermaßen irgendwie den Geschmack vermittelt, dass es verboten oder gar verwerflich sei, mit vier Kindern und einem Kater eine Abenteuerreise zu wagen.

Bedingungen als zierender Rahmen? Eine Reiseroute mit Zwischenzielen, eine RĂŒckholversicherung, eine Reisekrankenversicherung, gute auslĂ€ndische Kontakte und ein zuverlĂ€ssiges Vehikel. Einen Ort, an dem wir uns dennoch stets daheim fĂŒhlen können, ein wohliges Haus, welches wir mit uns fĂŒhren. Ein Wohnmobil! Die Unvorhersehbarkeit einzugrenzen, raubt zwar dem Abenteuer ein wenig jenes, was es ausmachen sollte aber den AnsprĂŒchen an das befriedigende GefĂŒhl eines vorhandenen Verantwortungsbewusstseins, sei damit GenĂŒge getan.

Nachdem alle absichernden Maßnahmen getroffen waren, konnte die Reise beginnen. Sie fand vorerst ein Ende im SĂŒden von Albanien. Lockdown! Bizarr! Mehr Unvorhersehbarkeit, mehr Abenteuer geht nicht!

Der Traum lebt weiter!

© Attila Moser 2020-11-24

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