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#garten#tierfreund#fengshui

Herrschaften im Garten

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Herrschaften im Garten | story.one

Es ist schon ein Weilchen her, da bewohnte ein entzückendes Pärchen von Sachsenenten unseren Garten. Cosel und August. Benannt nach dem gleichnamigen Liebespaar Gräfin Cosel und August dem Starken, welcher anno dazumal Kurfürst von Sachsen und König von Polen war. Ihre Liebesgeschichte nahm kein gutes Ende, denn die aufmüpfige Cosel wurde kurzerhand bis zu ihrem Tode auf der Burg Stolpen eingesperrt. Unser August war auch nicht so der große Held, denn wenn man sich ihm näherte, suchte er schleunigst das Weite und ließ dabei Frau und Nachwuchs einfach zurück. Einzig und allein mit seiner männlichen Potenz konnte er mit seinem Namensgeber ansatzweise mithalten. August der Starke soll ja angeblich über dreihundert leibliche Nachkommen produziert haben, was jedoch mehr in die Kategorie „Legenden“ einzuordnen ist. Unser August machte bei seinen triebgesteuerten Überfällen keinen Unterschied, ob es sich bei den Damen um Gänse, Enten oder Hühner handelte. Er versuchte alles zu begatten, was ihm unter den Schnabel kam. Seine Cosel hatte anfangs keine Lust, sich seinen Liebes-Attacken hinzugeben, doch irgendwann ließ sie August gewähren. Den ganzen lieben Tag rannte er schnatternd hinter seiner Cosel her und: „Na ja!“. Und so kam es, dass plötzlich eines Tages neunzehn kleine Entenjungen das Licht der Welt erblickten. Diese kleinen Wattebällchen waren allerliebst anzusehen und erfreuten unser aller Herz. Zunächst noch unter den Fittichen der liebsten Mama, dauerte es nicht lang, bis ein Entchen nach dem anderen, den Stall verließ. Die Nachbarn freuten sich über dies entzückende Bild, wenn unsere Cosel mit ihrem riesigen Anhang durch unseren Garten schlenderte. Sie wuchsen von Woche zu Woche, verwandelten sich in prächtige Enten und aus dem lieblichen Piepen wurde ein Ohren lähmendes Schnattern. Eines schönen Sommertages entdeckten sie im Zaun ein kleines Loch, durch das sie in des Nachbars Garten entfleuchten. Wir bemerkten nichts von ihrem Ausflug, bis am Abend die Türklingel schellte und der Nachbar auf der Treppe stand. Er atmete unkontrolliert, sein Gesicht war kreidebleich und mit seinem Finger deutete er in Richtung seines Gartens. Da ihm zu dieser Zeit, die rhetorischen Mittel fehlten , uns zu erklären, was passiert war, gingen wir mit hinüber. Die Liebe zu seinem Garten war nie zu übersehen. Akkurat und sauber! Alles hatte seinen exakt vorgeschriebenen Platz. Besonders heraus, stach der gepflegte Nagelscherenrasen und natürlich sein ganzer Stolz, der Fengshui-Teich, in welchen sich gerade 21 Enten tummelten. Das glasklare Wasser hatte sich in eine braune, übel riechende Brühe verwandelt. Die Bepflanzung am Teich diente als Spielzeug und war somit dem Untergang geweiht. Der verständnisvolle Nachbar blickte uns an, mit verzweifelten Augen und bebender Stimme bat er uns, die Enten aus dem Teich zu holen. Und so kamen die Enten auf einen Entenhof. Nur die Herrschaften August und Cosel blieben bei uns.

© Attila Moser 2021-04-23

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