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#neugier#liebe#veränderung

Glück ist eine Farbe und nur ein Moment

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Glück ist eine Farbe und nur ein Moment | story.one

Ich saß einer langjährigen Freundin auf meiner Terrasse gegenüber. Ihre Augen wirkten müde, der Körper, das Gesicht und ihre Haltung ließen Enttäuschung über ihr Leben erkennen. Sie erzählte von ihren Erlebnissen und fügte dann abschließend hinzu: "Offen gestanden habe ich mir mein Leben ganz anders vorgestellt. Nie hätte ich gedacht, dass ich mein Studium abbreche, nie dass ich mich nach wenigen Jahren wieder scheiden lasse. Niemals, dass ich allein alt werde und dass ich bis weit über die 60 Jahre in einem schlecht bezahlten Job arbeiten muss, damit ich überhaupt die Mindestpension bekomme!" Ein paar Tage später kommt meine Schwester vorbei. Gerade arbeitslos, geschieden, über 50, verbittert und nicht mehr in der Lage einen frohen Gedanken zu fassen. Sie sinniert vor sich hin und gibt beinahe die gleichen Worte wie meine Freundin von sich. Auch sie hatte sich ihr Leben ganz anders vorgestellt. Sie wollte, wenn das Kind aus dem Haus ist mit ihrem Mann auf Reisen gehen, das Leben genießen und in ihrem Job bis zur Pension bleiben. Aber alles kam, so wie bei meiner Freundin, ganz anders. Sie hatten so klare Vorstellungen vom Leben und wie es zu Laufen hat und dann machen einem die Anderen, die Gesellschaft, der Arbeitsmarkt, die Umstände, der Partner, das Leben einen Strich durch die Rechnung.

In meinem Job treffe und berate ich viele Frauen, die ähnliches erfahren haben und es aus eigner Kraft nicht mehr schaffen aus dieser nach unten führenden Spirale herauszukommen. Aber inwieweit lässt sich ein Leben planen? Haben wir überhaupt ein Recht darauf uns festzulegen und zu glauben, dass wir uns wie im Supermarkt unserer Wünsche und Träume bedienen dürfen? Und... wenn ja, waren wir überhaupt bereit, den dafür angemessenen Preis zu bezahlen? Viktor Frankl formuliert: "Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt. Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte, der dem Leben zu antworten - das Leben zu verantworten hat!" Das deckt sich mit meiner Lebenshaltung.

Ich habe mir, trotz aller Phantasie, mein Leben niemals ausgemalt und vorgestellt. Hatte ich doch immer die Sorge, dass ich mich mit den Bildern im Kopf zu sehr fixierte und ich möglicherweise auf unerwartetes, neues und interessantes verzichten musste. Dass ich dem Leben in seiner Vielfalt nicht mehr begegnen könnte.

Pablo Picasso sagt: "Geist ist anders, ich suche nicht - ich finde. Suche, das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekannten. Finden, das ist das völlig NEUE. Alle Wege sind offen und was gefunden wird ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer: Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die im Ungeborgenen sich geborgen wissen, die in der Ungewissheit, in der Führerlosigkeit geführt werden, die sich vom Ziel ziehen lassen und nicht selbst das Ziel bestimmen.

© avadiva 2019-11-19

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