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Umwege erhöhen die Ortskenntnisse

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Umwege erhöhen die Ortskenntnisse | story.one

Als ich meinen Mann kennenlernte, war sein Sohn gerade in der Pubertät und in dieser Phase des Erwachsenwerdens, war Lernen und die Schule nicht das Zentrum seines Strebens. Und... obwohl er eine Kunst- und Designschule besuchte, die seine Begabungen erkannte und sein Talent förderte, konnte er nicht die Motivation aufbringen, dort regelmäßig zu erscheinen. Mit Freunden um die Häuser zu ziehen und mit ihnen abzuhängen war zu diesem Zeitpunkt das Wichtigste und schon bald hatte er seine schulische Karriere beendet.

Mein Mann ging mit dem Schulabbruch seines Sohnes relativ gelassen um, auch dass er eine Lehre als Einzelhandelskaufmann machte, regte ihn nicht auf. Er war überzeugt, dass jeder Mensch seinen ganz eigenen Weg gehen muss und dass auch sein Sohn über kurz oder lang den Weg einschlagen wird, der seine wahre Berufung erkennen lässt. Ich bin Bildungsberaterin und war über diese Haltung und diesen Zugang schlichtweg fassungslos. Zumindest, so dachte ich... macht er eine "Lehre mit Matura".

Sehr schnell stellte Julian fest, dass ihm sein Lehrberuf wenig Herausforderung bot. Hier konnte er seine Kreativität nicht leben und sein Gespür für Ästhetik und Design kamen in diesem Beruf nicht zum Tragen. Immer öfter tat er seinen Unmut kund und suchte Rat bei seinem Vater und mir. In mehreren gemeinsamen Gesprächen wurde für Julian klar, dass er nach Abschluss der Lehre und der Matura die Aufnahmeprüfung an einer Fachhochschule für Industriedesign macht. Er knüpfte Kontakte zu DesignerInnen, damit er ein realistisches Bild des Berufs entwickeln konnte und er begann mit den Vorbereitungen für die Aufnahmeprüfung. Da seine Freunde zum Studium nach Berlin gingen, war auch für ihn das Ziel ganz klar. Und es klappte! 1200 BewerberInnen, 50 Kreative wurden aufgenommen und Julian war dabei. Jubel, Begeisterung, Freude und aufging es mit Sack und Pack nach Berlin! Am Tag der Inskription erlebte Julian jedoch eine herbe Enttäuschung. Es stellte sich heraus, dass die österreichische "Lehre mit Matura" in Deutschland nicht anerkannt war. Fassungslosigkeit, unzählige Amtswege, Ratlosigkeit! Wie geht es weiter, was tun? Zum Glück, war Julians Selbstwert durch die Aufnahme an der HTW Berlin gestärkt und er behielt sein Ziel im Auge.

Zurück in Österreich recherchierte Julian eifrig nach passenden Fachhochschulen für Industriedesign und seine Wahl fiel eindeutig auf Salzburg! Nun galt es wieder die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Und...auch diesmal gehörte er zu den Glücklichen und wieder war er dabei! So wurde Kuchl in den nächsten Jahren seine neue Heimat und es stellte sich heraus, dass Salzburg ihm alles bot, um im Studium gut voranzukommen. Aber auch landschaftlich, kulturell und mitmenschlich zeigte sich das Land Salzburg von seiner besten Seite. Mittlerweile ist der Bachelor abgeschlossen, Julian schreibt an seiner Masterarbeit und mein Mann meinte sehr stolz und überzeugt: "Umwege erhöhen die Ortskenntnisse!“

© avadiva 2021-02-27

Alles Schule oder was

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